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PROFIS
22.01.2018

Pellegrino Matarazzo: "New York hat mich geprägt"

Am 8. Januar gab die TSG bekannt, dass Pellegrino Matarazzo das Team von Julian Nagelsmann als Co-Trainer verstärken wird. Einen Tag später stand der 40 Jahre alte Fußballlehrer erstmals mit den TSG-Profis auf dem Platz. Inzwischen erlebte er zwei Bundesligaspiele auf der Trainerbank. Der gebürtige US-Amerikaner trainierte vor seinem Engagement bei den Profis die U17 der TSG in der Bundesliga. Nach knapp zwei Wochen im Amt spricht "Rino" mit achtzehn99.de über seinen Chef Julian Nagelsmann, die ersten Eindrücke vom Team, seine Vorstellung von Fußball und seinen beeindruckenden Lebenslauf.

Pellegrino, konntest Du dir 2017, als du aus dem Nürnberger Nachwuchs in die TSG Akademie kamst, vorstellen, nur ein halbes Jahr später Teil des Bundesliga-Trainerstabs zu sein?

Pellegrino Matarazzo: "Nein, aber es ist natürlich eine absolut positive Überraschung. Ich habe mich sehr gefreut, Teil des Teams von Julian zu werden. Er hat mir eine Nachricht geschrieben und gefragt, ob ich mir vorstellen kann, Co-Trainer zu werden. Das konnte ich natürlich sehr gut. Danach ging alles sehr zügig. Es gab Gespräche mit Alexander Rosen und wir haben sehr schnell gemerkt, dass es passt. Jetzt bin ich oben dabei - das ging blitzschnell."

Wie hast Du deine ersten Bundesligaspiele in Bremen und zu Hause gegen Leverkusen erlebt?

Matarazzo: "Ich war sozusagen im Aufsauge-Modus. Ich wollte alles mitnehmen. Das waren so viele neue, positive Reize. Die Lautstärke war erstaunlich. Ich habe zwar erst einmal wenig auf den Rasen gerufen, sondern meine Beobachtungen eher weitergegeben, aber ich habe gesehen, wie schwer es für Julian teilweise war, mit seinen Spielern verbal in Kontakt zu treten. Einmal wollte er Lukas Rupp eine Anweisung geben und dieser stand nur zirka 20 Meter von ihm weg. Er hat mehrmals gerufen, aber Lukas hat ihn einfach nicht gehört. Das war in dieser Dimension neu für mich. Im Nachwuchsbereich erreicht man seine Spieler verbal."

Als Spieler hast Du lange Oberliga und Regionalliga gespielt. War mehr drin, oder war dies das Maximum für Dich?

Matarazzo: "Es gab schon immer wieder Interesse aus der zweiten Liga, aber ich hatte früh eine schwere Knieverletzung. Nach der ersten Operation habe ich nicht mehr ganz mein vorheriges Niveau erreicht. Nach der zweiten und dritten OP war das dann nicht mehr möglich. Ich war kurz davor, meine Zelte in Deutschland abzubrechen und in die USA zurückzukehren. Aber dann kam das Angebot aus Nürnberg, dort als erfahrener Spieler der zweiten Mannschaft zu helfen und gleichzeitig in den Trainerberuf hineinzuschnuppern. Das habe ich dann wahrgenommen."

Deinen heutigen Chef kennst Du schon etwas länger: Du hast dir beim Fußball-Lehrer-Lehrgang in Hennef das Zimmer mit Julian Nagelsmann geteilt. Hattet ihr von Beginn an einen guten Draht zueinander?

Matarazzo: "Ja. Es war kein Zufall, dass wir das Zimmer geteilt haben. Wir kannten uns ja schon zuvor, haben in der U19-Bundesliga mehrfach gegeneinander gespielt. Er mit der TSG, ich mit Nürnberg. Wir hatten schon damals Respekt vor der Arbeit des jeweils anderen."

Nun hat der TSG-Cheftrainer sein Team gelobt: Die Spieler hätten Dich - ebenso wie ihn Anfang 2016 - toll aufgenommen und seien offen für neue Ideen. Wie hast Du die erste Woche wahrgenommen?

Matarazzo: "Ich fühle mich wohl und lerne die Mannschaft und das Team hinter dem Team immer besser kennen. Ich bin keiner, der mit der Tür ins Haus fallen möchte. Ich will meinen natürlichen Platz finden - nur so kann ich effizient weiterhelfen. Eine Bindung schafft man zum einen über das Menschliche, zum anderen aber vor allem auch über das Fachliche. Die Spieler müssen erkennen, dass ich etwas für sie tun kann, dass ich helfen kann, sie weiterzuentwickeln. Das ist in der Jugend einfacher als bei Profis, weil diese natürlich schon viele Erfahrungen gemacht haben und viele Dinge wissen. Ich finde aber, dass wir zusammen auf einem guten Weg sind. Es ist eine sehr spannende Aufgabe."

In Hennef beim Fußball-Lehrer-Lehrgang hast Du oft und viel mit Julian über Fußball gesprochen…

Matarazzo: "Ja, das stimmt. Die Gespräche waren meist spezifisch zu einem Thema oder einer Aufgabe während der Ausbildung. Wichtig ist - wir senden und empfangen auf derselben Wellenlänge.“

Neue Spieler brauchen bei der TSG oft etwas mehr Zeit, um sich an das Training von Julian Nagelsmann zu gewöhnen. Wie sind deine ersten Eindrücke?

Matarazzo: "Das kann ich nachvollziehen. Das Training ist sehr gut und anspruchsvoll. Vor allem auch für den Kopf. Es gibt viele Spielformen mit vielen Provokations-Regeln, die zu beachten sind, und es werden oft auch Sachen gefordert, die anders sind, die nicht alltäglich sind, die neue Spieler nicht kennen. Zudem muss man berücksichtigen, dass alle Spieler Gewohnheiten haben und mit diesen bricht Julian, weil er eigene, besondere Ideen hat. Das fordert die Spieler enorm und macht sie besser."

Wer oder was hat Dich als Trainer geprägt?

Matarazzo: "Ich habe natürlich mehrere Sachen von meinen ehemaligen Trainern aufgeschnappt. Als ich dann als Trainer gearbeitet habe, habe ich meine Philosophie aus mir heraus selbst entwickelt. Natürlich braucht es auch externe Reize, aber es gilt immer, diese zu sortieren und sie mit einem Selbstbild und Selbstverständnis abzugleichen. Ich stelle mir immer die Frage: 'Wer bin ich und passt dieses oder jenes zu mir?'."

Du hast italienische Wurzeln, bist in den USA aufgewachsen und lebst nun seit vielen Jahren in Deutschland. Fühlst Du Dich eher als Amerikaner, Italiener oder Deutscher?

Matarazzo: "Ich würde sagen, dass ich ein Deutsch-Italo-Amerikaner bin. Bevor ich nach Deutschland kam, wurde ich in den USA als Italiener wahrgenommen und in Italien als Amerikaner, hier war ich dann der Italo-Amerikaner. Mir ist das nicht so wichtig. Ich bin ein offener Mensch, der nicht in Schubladen denken möchte."

Du hast nach deinem High-School-Abschluss mit 1,0 an der Elite-Universität Columbia mitten in New York studiert. Wie hat diese Stadt zu deiner Offenheit beigetragen?

Matarazzo: "Ich kam damals mit 17 Jahren allein nach New York. Ich war das erste Mal von zu Hause weg, weg von einem sehr konservativen Elternhaus. Zusätzlich war ich in dieser anonymen Weltmetropole, in der man kaum einen Menschen zwei Mal trifft. New York hat mich sehr geprägt, weil es alles bietet und weil es dort egal ist, wer du bist. Diese Stadt lässt jeden Menschen sein, wie er ist. Dort habe ich mich als Person richtig kennengelernt, dort wurde mir klar, wer ich bin und wer ich sein möchte."

An der Columbia wird nicht jeder Student aufgenommen. Hat deine High-School-Note alleine ausgereicht?

Matarazzo: "Nein, das alleine war nicht ausreichend. Man muss auch auf einem weiteren Gebiet eine herausragende Leistung zeigen. Das war bei mir der Fußball. Er hat mir die Tür dieser unglaublichen Universität geöffnet. Ich bin bis heute sehr dankbar, dass ich dort studieren durfte."

High-School-Abschluss mit 1,0, Studium der angewandten Mathematik an einer Elite-Universität. Wie kamst du überhaupt zum Fußball?

Matarazzo: "Das ist eigentlich ganz einfach zu erklären. Es geht um die Leidenschaft für den Fußball, die ich spüre. Da wurde ich von meinem Vater sehr stark beeinflusst. Er war zu den großen Zeiten von Diego Maradona glühender Fan des SSC Neapel und hat mich mit dem Fußball-Fieber angesteckt. Ich habe auch während des Studiums Fußball gespielt und wollte es danach einfach als Profi probieren. Ich wollte mir nicht ein Leben lang die Frage stellen, ob ich es als Fußballer hätte schaffen können. Deshalb habe ich mich für den Fußball und gegen zum Beispiel das Investment-Banking entschieden. In diesem Bereich gab es nach dem Studium Anfragen. Den Fußball habe ich dann mit all meiner Kraft verfolgt; das entspricht meinem Naturell. Weniger als 100 Prozent gibt es von mir nicht."

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