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U23
20.11.2015

Leon Fesser: Verteidiger mit Stürmer-Gen

Im Moment läuft es gut für Leon Fesser. Verletzungsgeplagt hat es der großgewachsene Innenverteidiger der U23 in seinen ersten beiden Regionalliga-Spielzeiten auf 17 Einsätze gebracht, alleine in dieser Saison sind es schon 15. Mit achtzehn99.de spricht der 21-Jährige über seine Gemeinsamkeiten mit Hanno Balitsch, wie er einst mit der U19 weltweite Aufmerksamkeit erlangte – und den Traum von England.

Als die U23 am zweiten Spieltag der aktuellen Regionalliga-Saison beim SV Waldhof Mannheim antrat, kam es für Leon Fesser zum Wiedersehen mit Waldhofs Kapitän Hanno Balitsch. „Ich hätte nicht gedacht, dass du mal so groß wirst“, zeigte sich der Ex-Nationalspieler über die 1,92 Meter des Hoffenheimer Innenverteidigers erstaunt. Beide sind im hessischen Alsbach-Hähnlein aufgewachsen, Balitsch ist 13 Jahre älter. „Seine Schwester Jana hat manchmal als Babysitterin auf mich aufgepasst“, erinnert sich Fesser. In dieser Zeit war Balitsch bereits Junioren-Nationalspieler – im August 2015 standen sich die beiden erstmals bei einem Punktspiel gegenüber. Eine weitere Gemeinsamkeit verbindet Fesser mit dem ehemaligen A-Nationalspieler: Beide starteten ihre Laufbahn beim FC Alsbach.

Fesser kam im Sommer 2012 von Kickers Offenbach in die U19 der TSG, zuvor war er bei den anderen großen Klubs der Metropolregion Rhein-Main zu Hause: Eintracht Frankfurt, FSV Frankfurt, SV Darmstadt 98. „Ich habe oft den Verein gewechselt“, sagt der 21-Jährige. „Aber ein Internat in einem Nachwuchsleistungszentrum kam für mich nie infrage, weil bei mir zu Hause die Schule immer ein großes Thema war.“

Weltweite Aufmerksamkeit

In Hoffenheim spielt Fesser nun bereits sein viertes Jahr und gerade, was die schulische Betreuung angeht, sagt er zurückblickend: „Das war das Beste, was mir passieren konnte.“ Sein Abitur am Wilhelmi-Gymnasium in Sinsheim hat er mit der Unterstützung von „Anpfiff ins Leben“ mit einer guten Note abgelegt. Und auch die sportlichen Erinnerungen an seine erste Spielzeit für die TSG sind noch frisch: „Wir haben lange um den Titel in der Bundesliga Süd/Südwest gekämpft und am Ende nur knapp den Einzug ins Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft verpasst. Wir waren eine super Truppe damals mit Jungs wie Niklas Süle, Jeremy Toljan, Kenan Karaman oder Patrick Schorr, und ich bin überzeugt, dass wir es gepackt hätten, wenn wir auf der Zielgeraden nicht viele Spieler hätten abstellen müssen.“

Am Ende stand für die U19 Platz drei zu Buche, es war die bis dahin beste Platzierung einer Hoffenheimer A-Jugend. Wenige Wochen zuvor hatte sie weltweite Aufmerksamkeit erfahren – und Fesser war daran nicht ganz unbeteiligt. Als im Februar 2013 für kurze Zeit das Internetphänomen „Harlem Shake“ durch das weltweite Netz geisterte, waren die U19-Jungs der TSG mit die Ersten, die ihre Version dieses Tanzstils in der Kabine des NLZ aufnahmen. Fesser lud die halbminütige Performance auf YouTube hoch, und nur wenige Tage später wurde der Clip unter anderem in russischen und chilenischen Medien aufgegriffen.

Nach der knapp verpassten Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft begann jedoch mit dem Kapitel „Herrenfußball“ der Ernst des Lebens. „Als junger Spieler, der gerade aus der A-Jugend kommt, hat man es in der U23 ohnehin nicht leicht. Bei mir kamen dann leider auch noch Verletzungen hinzu“, so der gebürtige Darmstädter. Erst ein Muskelfaserriss, dann ein Innenbandriss im linken Knie und schließlich der Meniskus. „Das hat sich alles extrem lange hingezogen, ich war fast ein Jahr raus“, so Fesser.

Bruder Sebastian ist das Vorbild

In den ersten beiden Spielzeiten brachte er es auf zusammen 17 Einsätze, alleine in dieser Saison sind es schon 15. In Minuten gerechnet, stand kein U23-Spieler in 2015/16 so lange auf dem Platz wie der Innenverteidiger, der sich auch im defensiven Mittelfeld wohlfühlt – und erfolgreich eingesprungen ist, als Russell Canouse oder Marcus Mann verletzungsbedingt passen mussten. „Ich denke, dass ich es nicht so schlecht gemacht habe“, sagt Fesser, der seinen Bruder Sebastian als Vorbild bezeichnet. Der kickte einst bei Darmstadt 98, studiert mittlerweile VWL in Barcelona und sei, so Leon, ein „Brain“, also ein intelligenter Mensch. „Er ist ein wichtiger Ansprechpartner für mich, egal ob es ums Studium, Fußball oder andere Dinge geht.“ Ein Studium ist derzeit für Leon Fesser eine Option, um sein zweites Standbein zu festigen. Ihm schwebt der Sportbusiness-Studiengang an der IST-Hochschule vor, aber noch genießt der Fußball Priorität.

Vater Heinz-Wilhelm war übrigens einst Stürmer und erzielte in der Saison 1980/81 in der 2. Liga Nord acht Tore für Göttingen 05. „Ich habe zu meinem Vater gesagt, dass ich mal mit ihm gleichziehen oder höher spielen möchte“, beschreibt Leon Fesser seine Ziele, also mindestens Zweite Liga. Das Stürmer-Gen des Vaters hat er zumindest ein Stück weit geerbt. Unter dem damaligen U23-Interimstrainer Otmar Rösch wurde Fesser mal als Stürmer eingewechselt. „Rösch bestätigte mir anschließend, meine Sache gut gemacht zu haben“, sagt er und fügt schmunzelnd hinzu: „Wenn wir uns heute begegnen, philosophieren wir noch immer darüber, dass das meine wahre Position ist.“

Im Moment läuft es gut für Fesser und die U23. Nach zuletzt vier Siegen in Serie zeigt die Kurve klar nach oben. „Ein Platz unter den ersten Fünf ist durchaus drin“, glaubt Fesser, der sich in dieser Spielzeit verletzungsfrei für höhere Aufgaben empfehlen möchte. Ganz egal, ob als Innenverteidiger oder als Sechser. Ein absoluter Traum sei der englische Fußball, sagt der Arsenal-Fan. „Ich liebe die Stadien dort, die Zuschauer, die Atmosphäre.“ Zu seinem ehemaligen Hoffenheimer Nachbarn und U19-Teamkollegen Tom Koblenz hat Fesser noch regen Kontakt. Koblenz steht bei Derby County unter Vertrag.

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