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CAMPUS
11.11.2013

U19: Training der anderen Art / SAP-Forum im NLZ

Für Cheftrainer Julian Nagelsmann und die U19 war es ein Training der etwas anderen Art. So viele Zuschauer, und dazu noch auf einer Spezialtribüne hinter einer Glaswand, sind nicht die Regel. Das „SAP-Forum für die Sport- und Entertainmentbranche“ hatte im wahrsten Sinne des Wortes seine Zelte im Nachwuchsleistungszentrum der achtzehn99 AKADEMIE aufgeschlagen, um einem Fachpublikum eine neue Methode der Trainingsanalyse zu präsentieren.

Der ereignisreiche Tag begann in der WIRSOL Rhein-Neckar-Arena. Die SAP hatte als Gastgeber über 300 Gäste aus Presse, Wirtschaft und Sport aus dem In- und Ausland eingeladen. Der Partner der TSG 1899 Hoffenheim fügt zu seinen Industrielösungen als 25. Branche „Sport und Entertainment“ hinzu – und präsentierte zu diesem Anlass einen prominenten Markenbotschafter: Oliver Bierhoff. Der Manager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft hatte in seiner Rede ein paar interessante Schmankerl aus der Vergangenheit parat: „Als ich meine Profikarriere 1986 begonnen habe, gab es nicht mal eine Videoanalyse. Die kam erst Ende der 80er, da hat man dann eine Halbzeit des Gegners angeschaut und musste dann dem Nachbarn in den Nacken hauen, damit er aufwacht.“

Als er in der Anfangszeit seiner aktuellen Funktion gemeinsam mit Jürgen Klinsmann eine Videoanalyse durchführte, habe Franz Beckenbauer gegrantelt: „Computer schießt keine Tore.“ Heute, so Bierhoff, sei moderne Technologie nicht mehr aus dem Trainingsbetrieb im Hochleistungssport wegzudenken und die junge Trainergeneration demgegenüber sehr aufgeschlossen.

Legale Leistungssteigerung und individueller Adrenalinrausch

SAP-Gründer Dietmar Hopp hatte zuvor in seiner Eröffnungsrede die Philosophie der TSG erläutert. Er zitierte den aktuellen SAP-Chef Bill McDermott, der kürzlich auf einem Kongress folgenden Satz prägte: „Daten werden das neue Mittel zur ganz legalen Leistungssteigerung sein. Der kollektive Adrenalinrausch wird individuell, das Gesamterlebnis komfortabler.“ Mit Hilfe der neuen SAP-Lösung werde es in Zukunft einfacher sein, die unglaubliche Menge an Daten („Big Data“), die die Trainingsarbeit optimieren sollen, zu bewältigen. Weitere Sprecher waren SAP-Vorstandsmitglied Gerd Oswald sowie Bernd Leukert, bei SAP Leiter Application Innovation.

Julian Nagelsmann, der gemeinsam mit U19-Athletiktrainer Kai Kraft seit einem Monat mit diesem System arbeitet, stand während einer Vorführung der sensorgestützten Hightech-Analyse durch Fadi Naoum, Senior Vice President der SAP, den zahlreichen Medienvertretern Rede und Antwort. „Mit diesen Echtzeit-Daten haben wir die Möglichkeit, die für uns wichtigen Parameter zeitnah am Spielfeldrand zu kontrollieren und die Spieler optimal auf unsere Profi-Mannschaft vorzubereiten.“

Projekt steht und fällt mit den Trainern

Nach der Mittagspause teilte sich die Veranstaltung in einen betriebswirtschaftlichen (Arena) und einen sportlichen Teil (NLZ). Bernhard Peters, 1899-Direktor für Sport- und Nachwuchsförderung, gab einen detaillierten Einblick in die Struktur und Arbeit der achtzehn99 AKADEMIE, Sportpsychologe Prof. Dr. Jan Mayer referierte über die Bedeutung von Wahrnehmung und Handlungsschnelligkeit im Fußball. Zeitgleich liefen sich die U19-Spieler bereits gut sichtbar auf der anderen Seite der Glaswand warm, ehe Nagelsmann und Kraft live zugeschaltet wurden, um ihre Einheiten zu kommentieren. Gleichzeitig wurden die erhobenen Live-Daten auf mehreren Bildschirmen gezeigt und von Experten kommentiert.

Der Nutzen dieser neuen Technologie steht und fällt mit den Trainern, die die Daten auswerten. „Jeder Trainer hat seine eigenen Prioritäten“, sagt Nagelsmann, der nach wie vor großen Wert auf die subjektive Wahrnehmung legen wird. Das Projekt befindet sich noch in der Start- und Testphase und wird mit der achtzehn99 AKADEMIE weiterentwickelt – um es eventuell auch für andere Klubs interessant zu machen.

Athletiktrainer Kai Kraft sieht darin jedenfalls ein Riesenpotenzial in Bezug auf die Trainingsplanung und -steuerung. In einem weiteren Schritt sollen die Trainer mit Google-Glass-Brillen ausgestattet werden, mit deren Hilfe sie die Echtzeit-Daten auch tatsächlich in Echtzeit sehen können. Während des Sprints eines Spielers wird zum Beispiel seine aktuelle Geschwindigkeit angezeigt. Hinzu kommen Daten zur Anzahl der Ballkontakte, zur zurückgelegten Strecke, zur Dauer des Ballbesitzes und viele mehr.

Das große Zelt am NLZ wird in diesen Tagen wieder abgebaut. Die Empfangsantennen und der Daten-Container bleiben. Das spannende Projekt hat gerade erst begonnen.

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