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15.11.2013

Marcel Rapp: Xavi besiegt, unter Löw debütiert

Seit knapp einem Jahr gehört Marcel Rapp zum Trainerstab der achtzehn99 AKADEMIE. Der ehemalige Junioren-Nationalspieler startete als U17-Co-Trainer und ist seit diesem Sommer für die U16 hauptverantwortlich. Um seinen Berufswunsch zu realisieren, hat der gebürtige Pforzheimer seine aktive Laufbahn frühzeitig beendet.

Die magische Nacht von Karlsruhe, das 7:0 des KSC im UEFA-Pokal gegen den FC Valencia im Jahr 1993 – Marcel Rapp war live dabei. Als die Badener Fußballgeschichte schrieben, stand der gebürtige Pforzheimer als Jugendspieler auf der Tribüne. Eine Runde später gegen Girondins Bordeaux verschlug es den Jungspund noch näher in Richtung Spielfeld – den 3:0-Erfolg begleitete Rapp als Balljunge. „Das war eine schöne Aufgabe, nahe dran am Geschehen“, denkt er gerne daran zurück. Seit Anfang des Jahres arbeitet Marcel Rapp als Jugendtrainer in der achtzehn99 AKADEMIE, und es sind Geschichten dieser Art, die er seinen Kickern mit auf den Weg geben kann – Anekdoten aus seinem Leben als Fußballer, das gekennzeichnet war von Höhen, aber auch Rückschlägen.

Nationalspieler mit Rosen und Mutzel

Ganz oben war Rapp als Jugendspieler. Von der U18 bis zur U21 gehörte er zu den Kadern des DFB. „Ich habe mit vielen Jungs zusammengespielt, die später Nationalspieler wurden: Sebastian Kehl, Timo Hildebrand, Fabian Ernst“, zählt der heute 34-Jährige auf. An einen erinnert er sich besonders gerne zurück: Sebastian Deisler. „Was Basti am Ball konnte, war Wahnsinn.“ Als Gegenspieler sind ihm Spaniens Xavi oder Irlands Robbie Keane in Erinnerung geblieben. „Da waren ein paar Kracher dabei“, schwärmt Rapp, um schmunzelnd hinzuzufügen: „Gegen Xavis Spanier haben wir mal 4:1 gewonnen.“

Nach seiner Zeit als Jugendnationalspieler mit dem Finale der U18-EM 1998 gegen Irland (3:4 nach Elfmeterschießen) und der Teilnahme an der U20-WM in Nigeria (gemeinsam mit dem Hoffenheimer Leiter Profifußball Alexander Rosen und NLZ-Leiter Michael Mutzel) debütierte Rapp in der 2. Bundesliga beim KSC. Acht Spiele bestritt der Verteidiger in der Saison 1999/00. „Da habe ich meinen Traum gelebt.“ Am Ende stand für den KSC allerdings der Abstieg. Für Rapp unbegreiflich. „Vom Potenzial her hätten wir aufsteigen können. Aber wir waren kein Team, es gab zu viele Querelen.“ So konnte auch der heutige Bundestrainer Joachim Löw, unter dem Rapp sein Profidebüt feierte, den KSC nicht ans rettende Ufer führen.

Rapp wechselte zu Rot-Weiß Oberhausen und blieb in Liga zwei. „Ich habe dort aber kaum gespielt, und das hat mich verrückt gemacht“, sagt er rückblickend. „Vielleicht hätte ich einfach geduldig auf meine Chance warten sollen. Stattdessen wurde ich rastlos und bin eine Zeit lang von Station zu Station gereist.“ Die große Bundesliga-Karriere zog an Rapp in dieser Zeit vorbei. „Man kann viel spekulieren, woran es gelegen hat. Letztlich haben mich die Trainer nicht aufgestellt, und damit muss ich leben.“

Frühe Fokussierung auf die Trainerkarriere

Sein fußballerisches Glück fand er im Jahr 2002 mit dem Wechsel zum Regionalligisten SC Pfullendorf. Fünf Jahre lang blieb er dem SC treu. „Dass wir es geschafft haben, fünfmal in Folge den Abstieg zu vermeiden, war unser großer Erfolg.“ In dieser Zeit wird dem ausgebildeten Finanzassistenten auch bewusst, dass der Trainerberuf für ihn nach dem Ende der Karriere eine Alternative ist. Er erstellte nach den Einheiten regelmäßig Pläne, anhand derer er die Trainingsinhalte analysierte. „Ich habe mich hinterfragt, ob alles, was wir machen, auch einen Sinn hat und versucht, mich so in mögliche Aufgaben an der Seitenlinie hineinzudenken.“ Ab 2007, nach dem Wechsel zu den Stuttgarter Kickers (Rapp: „Ich wollte einfach noch einmal was Neues machen“), nahmen die Pläne weitere Konturen an. Rapp machte seinen C-Schein. 2011 wechselte er in die Oberliga zum FC Nöttingen, ließ dort den B- und den A-Schein folgen, arbeitete zeitweise als spielender Co-Trainer – bis die TSG bei ihm anfragte.

Im Kraichgau bestand Ende des vergangenen Jahres in der Akademie Bedarf nach einem motivierten Übungsleiter. In der U17 war die Co-Trainer-Stelle unbesetzt. Rapp, der bereits in Hoffenheim hospitiert hatte, nahm das Angebot gerne an. „Für mich war das die Chance, meine bisher gewonnenen Kenntnisse weiter auszubauen. Ich wollte als Co-Trainer von Jens Rasiejewski lernen.“ Nach einem halben Jahr in der zweiten Reihe hat Rapp zu Saisonbeginn seinen ersten Cheftrainer-Posten angenommen und zeichnet nun für die U16 verantwortlich. Dort läuft es hervorragend. Der Mann, der einst selbst als Jugendspieler im Europapokal seinen Vorbildern Bälle zuwarf, hat sein Nachwuchsteam in der Spitzengruppe der Oberliga Baden-Württemberg etabliert.

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