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13.08.2013

Tor oder nicht Tor? Die Technik soll helfen

Das nicht gegebene Tor von Kevin Volland im Spiel der TSG 1899 Hoffenheim gegen den 1. FC Nürnberg hat die Debatte um die Einführung der Torlinientechnik neu entfacht. Was es mit der Technik auf sich hat, welche Bedenken und Positionen es gibt und wie die Planungen von DFB und DFL sind – achtzehn99.de fasst zusammen.

Die "Torlinientechnik" oder "Torlinientechnologie" beschreibt ein technisches Hilfsmittel, das den Schiedsrichtern anzeigen soll, ob ein Ball in vollem Umfang die Torlinie überschritten hat. Seit zirka acht Jahren beschäftigen sich Sportartikelhersteller, Unternehmen und wissenschaftliche Institute mit der Entwicklung.

Die vorhandenen Systeme lassen sich grob in zwei Funktionsweisen unterteilen: Entweder wird die Position des Balles per Funk oder über eine optische Erfassung ermittelt. Alle Systeme arbeiten mit einer speziellen Armbanduhr, die der Schiedsrichter trägt und die ihm per Vibration die Torlinienüberquerung des Balles bestätigt. Die Entscheidung "Tor oder nicht Tor" bleibt letztendlich beim Schiedsrichter.

Der Chip im Ball

Die auf ein Funksignal gestützte Variante ähnelt der Diebstahlsicherung in Kaufhäusern. Antennen erzeugen dabei ein Magnetfeld, das auf der Torlinie beginnt. Sobald der Ball mit vollem Umfang in dieses Feld eingedrungen ist, verändert er es und ein Signal wird an den Schiedsrichter übermittelt. Dafür müssen Magnetspulen in den Ball eingearbeitet werden. Diesem Umstand verdankt die Technik die Bezeichnung "Chip im Ball".

Das Problem: die Technik benötigt einen speziellen Ball. Die unterschiedlichen Ausrüster der Vereine und Nationalmannschaften müssten sich auf eine Fertigung einigen. Ob die Flugeigenschaften des Balles dadurch beeinflusst werden, scheint noch nicht endgültig geklärt zu sein. Kritiker bezweifeln zudem die hundertprozentige Zuverlässigkeit des Systems. Das sehr schwache Magnetfeld könne demnach auch von anderen Faktoren beeinflusst werden und das System dadurch nur fehlerhaft funktionieren.

Das Hawk-Eye

Das optische Erfassungssystem ist unter dem Namen Hawk-Eye bekannt und kommt bereits seit einigen Jahren erfolgreich in Sportarten wie Tennis oder Cricket zum Einsatz. Mehrere Hochgeschwindigkeitskameras erfassen dabei die exakte Position des Balles. Sobald dieser die Torlinie überschritten hat, erhält der Schiedsrichter ein Signal.

Das Problem: Der Ball muss dafür sichtbar sein. Sollte er beispielsweise von Spielern verdeckt sein, könnte das System versagen. Zudem sind die Anschaffung und der Betrieb des Systems mit hohen Kosten verbunden.

Wer ist dafür, wer hat Bedenken?

Vor allem zwei Argumente werden gegen die Einführung der Technik vorgebracht: der Einsatz von technischen Hilfsmitteln könnte sich auf weitere Entscheidungen wie Abseits oder Foul ausweiten und so das Wesen des Fußballspiels zu stark verändern. Das zweite Argument ist der Kostenfaktor. Nur Profi-Vereine könnten sich das entsprechende System leisten, zu den Amateurvereinen würde eine zu große Lücke entstehen.

Einen weiteren Kritikpunkt nannte vor kurzem Arsène Wenger, Trainer von Arsenal London: "Der Fußball kann so schnell sein, dass der Ball rein und raus geht und zwischen diesem Moment und dem Signal kann etwas passieren." Der Trainer von Arsenal London lieferte auch ein Beispiel: "Der Ball geht rein, geht wieder raus und jemand begeht ein Foul. Der Schiedsrichter entscheidet auf Freistoß für den Verteidiger. Und dann plötzlich ist es ein Tor, dabei hatte er auf Foul entschieden."

Wer plant mit der Technik?

Im Grunde sind sich mittlerweile aber alle einig: Spieler, Trainer und Schiedsrichter fordern fast einhellig die Einführung einer Torlinientechnologie. Bedenken hatten in der Vergangenheit vor allem die nationalen und internationalen Verbände geäußert. Zuletzt fand jedoch auch dort ein Umdenken statt.

Der Fußballweltverband FIFA hat bei der Klub-Weltmeisterschaft 2012 und beim Confed-Cup 2013 verschiedene Systeme getestet, die zum Teil auch auf einer Mischung von optischen und Funksignalen basieren. Ergebnisse zu den Testläufen hat die FIFA bislang noch nicht bekannt gegeben.

Die englische Premier League hat das Hawk-Eye-System bereits zum diesjährigen Saisonstart eingeführt. Die holländische Eredivisie beginnt ebenfalls in der aktuellen Spielzeit mit einer zweijährigen Testphase desselben Systems.

In Deutschland haben sich DFB und DFL auf einen Testlauf in der Saison 2015/16 verständigt. DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig begründet dies so: "Derzeit gibt es nach unserer Einschätzung noch kein perfekt ausgereiftes System, welches diese tiefgreifende und möglicherweise dann endgültige Entscheidung einer sofortigen Einführung rechtfertigt."

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