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U23
15.02.2012

U23/Namibia: Das Team hinter dem Team (2) – Die Physiotherapeuten

Seit dem 8. Februar befindet sich die U23 mit Unterstützung von „Air Namibia“ und des „Namibia Tourism Board“ im Trainingslager in Windhoek. Damit Trainer Frank Kramer neben den perfekten organisatorischen Bedingungen auch sportlich auf höchstem Niveau arbeiten kann, benötigt er einen starken Stab. Wir stellen das Team hinter dem Team vor.

Das beliebteste Zimmer im Hilton Hotel ist die Nummer 219. Hier haben die Physiotherapeuten Karolin Kieffer und Mario Schulz ihre beiden Massagebänke aufgebaut und die Badewanne in ein Eisbad umfunktioniert, das sich gerade an den heißen Tag größter Beliebtheit erfreut. In drei großen Boxen verfrachteten die beiden Physios ihr gesamtes Material von Zuzenhausen nach Windhoek. Eine halbe Stunde vor der Abfahrt zum Training beginnt der lange Arbeitstag der Physios, denn dann müssen die ersten Tapeverbände angelegt werden. Während der Einheiten stehen sie auf Abruf am Spielfeldrand, mussten aber bislang glücklicherweise mit Ausnahme der Bänderverletzung Ahmed Sassis oder des Nasenbeinbruchs bei Co-Trainer Otmar Rösch so gut wie nie eingreifen.

Angeschlagene Spieler, wie etwa derzeit Philipp Klingmann oder Tabe Nyenty, absolvieren während des Trainings mit den Physiotherapeuten ein individuelles Aufbauprogramm. Nach dem Mittagessen geht es für die Spieler in Zimmer 219 bis zur nächsten Abfahrt mit der Behandlung weiter. „Und nach dem Abendessen sind wir bis 23 Uhr, aber in dringenden Fällen auch länger, für sie da“, sagt Karolin Kieffer. Die gebürtige Esslingerin kam im vergangenen Sommer nach Hoffenheim und arbeitete vorher in einer Orthopädischen Klinik und anschließend in der „Reha-Welt“ des VfB Stuttgart. „Dort wurde mir aber unmissverständlich gesagt, dass ich nie eine Männermannschaft betreuen dürfe, also bin ich nach Hoffenheim gegangen, als sich die Möglichkeit geboten hat.“ Als einzige Frau unter vielen Fußballern – das ist mit Sicherheit nicht immer einfach. Aber Karolin Kieffer winkt ab. „Nein, mir macht das Spaß“, versichert sie. „Es gibt da überhaupt keine Probleme, ich arbeite viel lieber mit Männern zusammen als mit Frauen. Klar fällt hier und da mal ein Spruch, aber da sollte man drüber stehen.“ Sofern es die Zeit zulässt, betreut Karolin Kieffer die Kunstturn-Bundesligamannschaft des TV Wetzgau. Zum Kunstturnen hat sie eine besondere Beziehung, weil sie diese Sportart früher selbst auf hohem Niveau ausübte. Namibia ist für sie eine tolle, aber keine neue Erfahrung, denn 2007 absolvierte sie mit ihrer Kunstturnmannschaft ein Trainingslager in ... Windhoek.

Mario Schulz ist ebenfalls seit Sommer 2011 im Team. Der gebürtige Weinheimer kommt eigentlich auch aus der Fußballecke und spielte in der Jugend erfolgreich für den VfR Mannheim. Als Physiotherapeut arbeitete er aber vorwiegend im Handball und betreute die SG Leutershausen sowie den TSV Östringen, bevor der mit der HSG Kronau zu den Rhein-Neckar Löwen fusionierte. Sein Kerngeschäft liegt in der prophylaktischen und therapeutischen Betreuung jeglicher Belastungs- und Verletzungsproblematik.

Seit zehn Jahren ist der 41-Jährige selbstständig und betreibt heute eine Praxis in seinem Wohnort Birkenau, nebenbei betreut er mit zwei Kollegen auch das deutsche Paralympic-Ski-Team. In zwei Wochen geht es für ihn in dieser Funktion zu einem Weltcup-Rennen nach Kanada. Skifahren ist Schulz‘ große Leidenschaft, auch wenn er sich dabei schon einmal die Kreuzbänder gerissen hat. „Das war vor vielen Jahren kurz vor Silvester in Italien. Die Betreuerin unserer Gruppe fuhr mich nach Brixen ins Krankenhaus – und als sie Röntgenbilder sah, verdrehte sie die Augen und fiel auf der Stelle in Ohnmacht“, erinnert er sich schmunzelnd. Der absolute Wille, so schnell wie möglich fit zu werden und wieder Fußball spielen zu können, trug wohl einen entscheidenden Teil zur späteren Berufsfindung bei. Mit seinem Engagement bei 1899 Hoffenheim kehrte Schulz also zu den Wurzeln zurück. „Natürlich bleibt die Praxis mein erstes Standbein, aber die Arbeit hier mit den Jungs macht großen Spaß.“

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