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PROFIS
20.03.2012

So funktioniert die TV-Rechtevergabe in der Bundesliga

Es gibt viel zu tun im Zentrum des deutschen Profifußballs im Frankfurter Stadtteil Westend. Die dort ansässige DFL Deutsche Fußball Liga GmbH verhandelt derzeit über die Vergabe der TV-Rechte für die vier Spielzeiten nach der Saison
2012/13. In der offiziellen Sprachregelung heißt das: „die Vergabe der audiovisuellen Medienrechte für die Spielzeiten 2013/14 bis 2016/17.“ achtzehn99.de hat die wichtigsten Eckpunkte des Vergabeprozesses zusammengefasst.

19 Pakete für 1.224 Spiele

Bis zum 2. April haben Interessenten die Möglichkeit, Gebote auf das komplexe System unterschiedlicher Rechtepakete abzugeben. Insgesamt stehen 19 Rechte pakete zur Auswahl, die wiederum in 6 so genannten „Rechtepaketebündel“ auf ver schiedene Weise zusammengefasst werden. Inhalt sind alle 1.224 Spiele im besagten Zeitraum, sowohl was die Live-Übertragung als auch was die Nachberichterstattung angeht. Alle erden klichen Verbreitungswege sind enthalten –

Kabel, Satellit, Internet und mobile Netze. Eine Entscheidung soll spätestens bis Ende der laufenden Saison fallen.

Enge Kooperation mit dem Bundeskartellamt

Nachdem es während der letzten Ausschreibung zu Irritationen zwischen Bundeskartellamt und DFL kam, bemühte sich die DFL-Führung, die staatlichen Wettbewerbshüter diesmal frühzeitig in den Entscheidungsprozess einzubinden.

„Die Voraussetzungen für einen fairen Bieterwettbewerb wurden in enger Abstimmung mit dem Bundeskartellamt geschaffen. Das Ausschreibungsverfahren für die kommende Rechteperiode wird nach klaren Spielregeln ablaufen“, sagte Christian Seifert, Vorsitzender der DFL-Geschäftsführung. Sowohl die Struktur der jeweiligen Pakete als auch die Zulassung der einzelnen Bieter sei gemeinsam mit dem Kartellamt erfolgt. Die Kriterien wurden mit dem Ligavorstand entwickelt, der von Vertretern aller Clubs der Bundesliga und 2. Bundesliga gewählt wird.

Ausdünnung der Bieter durch Schutzgebühr – Komplexer Vergabeprozess

15 Bieter blieben von anfangs 45 Interessenten übrig. Die Voraussetzung zur Zulassung umfasste zusätzlich eine Schutzgebühr in Höhe von 200.000 Euro. „Dadurch selektieren wir die Interessierten von den richtig Interessierten“, sagte Seifert vergangenen Monat. Der hochkomplizierte Vergabeprozess umfasst dabei bis zu zwei Runden. Sollte nach der ersten mehr als ein Bieter im Rennen bleiben, kommt es zur zweiten, finalen Runde. Neben der Höhe der gebotenen Summe wird auch berücksichtigt, welches Sendekonzept die Bieter planen, wie sich das Medienangebot gestaltet, welche Reichweite erzielt wird und wie hoch das redaktionelle Know-how der Bieter ist. Wer das Rennen macht, ist nach den Worten des DFL-Chefs längst nicht entschieden: „Die Erfahrung hat gezeigt, dass es meistens ein bisschen anders kam, als es spekuliert wurde.“ Das hindert die Medien selbstverständlich nicht an Spekulationen. Vermeintliche Favoriten seien demnach der bisherige Anbieter Sky, die Deutsche Telekom und KF 15, die Firma des verstorbenen Leo Kirch.

Steigende Erlöse avisiert

In der laufenden Ausschreibung sollen die Erlöse aus der TV-Rechtevermarktung steigen, wie schon in den vergangenen vier Jahren. In diesem Zeit raum konnte die DFL die eigenen TV-Einnahmen von 475 auf fast 520 Mio. Euro steigern. Selbst wenn der Anteil der medialen Verwertung an den Gesamt einnahmen leicht rückläufig ist – 2007/08 waren es ca. 30, 2010/11 noch ca. 27 Prozent –, die Bedeutung der Fernseheinnahmen für die Clubs bleibt hoch. Auch weil es sich um sichere Einnahmequellen handelt: „Die Einnahmen aus der zentralen Vermarktung der Medienrechte sind ein wichtiger Bestandteil unserer Gesamterlöse. Die frühzeitige Ausschreibung und Vergabe der Rechte durch die DFL vor den betreffenden Spielzeiten gibt uns entsprechend Planungssicherheit“, sagt Frank Briel, Geschäftsführer Finanzen und Organisation bei 1899 Hoffenheim.

Sportschau bald im Internet?

Mit Jochen Rotthaus, Geschäftsführer Marketing und Vertrieb, hat die TSG zudem einen Experten in Sachen Vergabeprozess an Bord. Als Mitglied im „Arbeitskreis der audiovisuellen Club rechte“ des Ligaverbands kennt er die verschiedenen Modelle und Ansätze. Den Ver gabeprozess bezeichnet er als „einen der spannendsten, den der Ligaverband bisher erlebt hat.“ Vor allem, weil eine frei empfangbare Zusammenfassung der Samstags spiele im

Internet angedacht ist. Die „Internetsportschau“ könnte dabei helfen, vor allem das jüngere Publikum an die Bundesliga heranzuführen. „Gerade die Neuen Medien bieten der Bundes liga die Möglichkeit, die jüngeren Fans zu erreichen. Diese Entwicklung wird auch bei der Vergabe der Übertragungsrechte berücksichtigt,“ so Rotthaus.

Anstoßzeiten bleiben unverändert

Während die genauen Konstellationen der einzelnen Übertragungsformate noch längst nicht feststehen, besteht in einem für die Fans besonders wichtigen und daher sensiblen Bereich Klarheit: Die Anstoßzeiten der Bundesliga und 2. Bundesliga bleiben bis auf eine Änderung unverändert. Auf vielfachen Wunsch der Fans wird der Anstoßtermin der 2. Bundesliga am Freitagabend von 18:00 Uhr auf 18:30 verlegt.

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