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FRAUEN
06.09.2012

Frauen: Fußball ist nicht planbar - Teil zwei

Die Frauen von 1899 Hoffenheim sind wieder mittendrin im Ligageschehen und setzten zum Auftakt gleich ein Ausrufezeichen. Im zweiten Teil des Interviews spricht das Trainerteam Jürgen Ehrmann, Jürgen Grimm und Kai Altig über Erfolgsrezepte und setzen sich mit einer These auseinander.

Bei den Einheiten von Athletiktrainer Manuel Ruep stoßen die Spielerinnen an ihre Grenzen. Was bewirkt das?

Ehrmann: Im Hinblick auf unsere Spielweise ist es unabdingbar. Da, wo wir hinwollen, sind die Mannschaften athletisch top ausgebildet. Das ist der große Unterschied zur zweiten Liga. Letztes Jahr war Sindelfingen das beste Beispiel dafür: Durch ihre überragende Fitness haben sie noch einige Spiele umgebogen. Gegen Ende der Vorbereitung hatten viele Spielerinnen einen Punkt erreicht, an dem körperlich leer waren. Wir haben die Intensität im Training dann natürlich runtergefahren, damit sie pünktlich zum Saisonstart fit sind.

Grimm: Die intensiven Einheiten mit Manuel waren für viele etwas komplett Neues. Das Körperliche als auch den vielen Input zu Technik und Taktik mussten sie erst mal verarbeiten und verstehen. In recht kurzer Zeit haben sie viele neue Informationen bekommen.

Wie bewertet ihr eure Arbeit mit der Videoanalyse?

Altig: Wir haben letzte Saison unsere ersten Erfahrungen gesammelt. Wir schneiden die Szenen unserer eigenen Mannschaft und besprechen diese mit dem Team oder einzelnen Mannschaftsteilen. Mittlerweile haben wir das Equipment noch erweitert und verbessert. Was jetzt noch fehlt, ist eine gewisse Routine, welche Szenen geschnitten werden, um den größten Lernerfolg zu erzielen. Da müssen wir uns noch auf die Schwerpunkte einigen. Außerdem möchten wir Spiele unserer Gegner filmen. Das wäre dann ein kleines Highlight, um zu wissen, wie der Gegner spielt, was die Besonderheiten sind und wie wir uns auf den Gegner einstellen müssen.

Muss sich in dieser Saison etwas an der Beziehung Trainer-Spielerinnen ändern? Muss sich überhaupt etwas ändern?

Grimm: Wir versuchen nicht den diktatorischen Stil, sondern wollen uns „partnerschaftlich“ an die Mannschaft annähern, aber trotzdem eine gewisse Distanz bewahren. Damit fahren wir ganz gut. In der Vergangenheit wurde da sicher auch nichts falsch gemacht. Das Wichtige ist die richtige Mischung, wobei wieder die verschiedenen Charaktere ins Spiel kommen. Ich denke, wir haben die Mischung gefunden und müssen nichts ändern.

Altig: Die beiden Trainingslager während der Vorbereitung haben uns enorm weitergebracht. Auch Birgit Prinz hat mit der Mannschaft zum Thema Teamzusammengehörigkeit gearbeitet. Wichtig ist jetzt, dass jede Einzelne das umsetzt.

Was ist wichtiger? Talent oder Wille und Leidenschaft?

Ehrmann: Die Kombination aus beidem führt selbstverständlich ganz nach oben. Ich kenne aber viele Spieler und Spielerinnen, die mit Willen weiter oben spielen als solche mit Technik, aber ohne Willen. Beides zusammen ist ideal, aber wenn man weder Willen noch Leidenschaft hat, kommt man nicht weit. Ab einer gewissen Liga reicht die Technik alleine nicht mehr aus. Nur die Kombination aus beidem führt die einzelne Spielerin zum Erfolg.

Die Stimmung im Team ist gut. Kann Harmonie das Erfolgsrezept sein?

Ehrmann: Das ist die logische Konsequenz. Ohne Harmonie erreichen wir gar nichts. Wenn im Spiel das Selbstvertrauen flöten geht, geht es abwärts, wenn dich die Teamkolleginnen nicht wieder hochziehen und aufbauen. Werde ich mitgezogen, komme ich aus der Situation auch wieder heraus. Niederlagen, die aus solchen Situationen entstehen, tun weh. Wir müssen dahin kommen, dass es jede einzelne Spielerin schafft, aus schwierigen Situationen in Spielen herauszukommen – dabei hilft nur der Teamgedanke.

Kein Absteiger aus der Bundesliga. Ihr habt euch gut verstärkt und hart gearbeitet. Der Aufstieg sollte im dritten Anlauf klappen…

Grimm: Wenn Fußball mathematisch berechenbar wäre, dann ja. Aber wir sprechen über die zweite Bundesliga. Es gibt mehrere Mannschaften, die sich ebenfalls verstärkt haben. Das Tolle am Fußball ist ja aber, dass Meisterschaften nicht planbar sind. Man muss immer mit einer Überraschungsmannschaft rechnen. Die Voraussetzungen für den Aufstieg sind sicherlich da, schaffen können wir es aber nur, wenn der angesprochene Teamgeist und Wille im ganzen Kader zu sehen ist.

Hier geht es zum ersten Teil des Interviews.

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