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02.12.2010

VfB zwischen Abstiegskampf und europäischen Pflichten

„Die Situation ist katastrophal.“ Eine Aussage von Timo Gebhardt, mit der man die Lage des VfB Stuttgart nicht besser beschreiben kann. Die Schwaben hängen fest: im ersten Gang, im Tabellenkeller, in der Bundesliga. Neun Niederlagen, zwei Unentschieden und nur drei Siege sind gleichbedeutend mit Platz 17. Das ist die magere Bilanz, die der Europa-League-Teilnehmer bis dato aufweist.

Vor der jüngsten Niederlage beim Hamburger SV (2:4) lautete die Frage noch: Aufwärtstrend oder Abstiegskampf? Nach der Partie können sich alle Beteiligten die Antwort selbst geben. Der Abstiegsstrudel hat den VfB erfasst und in die Tiefen der Liga gezogen. Woher die punktuellen Höhenflüge wie beim 7:0 gegen Borussia Mönchengladbach oder beim 6:0 gegen Werder Bremen kamen, bleibt wohl ein Rätsel. Die Realität in Stuttgart sieht momentan so aus, dass die Elf von Trainer Jens Keller in der Bundesliga immer wieder über sich selbst stolpert. Beste Beispiele dafür sind die Spiele in Kaiserslautern oder Hamburg. Auf dem Betzenberg führten die Schwaben mit 3:0 und dann folgte der Einbruch. Fehlpässe und Ergebnisverwaltung waren gegen den Aufsteiger zu wenig. Und gegen den HSV erwies sich Ciprian Marica als vereinsinterner Stolperstein, über den die Mitspieler strauchelten. Schon in der 15. Minute legte sich Marica mit dem Schiedsrichter an, sah die Rote Karte und ließ sein Team im Stich. Zu zehnt kassierte Stuttgart die neunte Niederlage und rutschte mit elf Punkten auf den vorletzten Rang ab. „Wir befinden uns im Ausnahmezustand", schilderte Präsident Erwin Staudt die Lage.

Stolpersteine und lästige Pflichten

Dabei hat der VfB eine schlagkräftige Truppe mit viel Potenzial, was die Auftritte auf der europäischen Bühne beweisen. In der Liga ist im Spiel der Schwaben aber der Wurm drin. Das Mittelfeld um Christian Träsch, Christian Gentner, den stark verbesserten Arthur Boka und Timo Gebhardt in der Form der letzten Wochen ist sicher eins der stärksten der Liga. Auch im Angriff ist einiges los. Cacau hat bereits fünf Treffer erzielt, Ciprian Marica (drei Tore) genoss vor seinem Ausraster das Vertrauen von Keller. Auch Pavel Pogrebnyak ist kein Schlechter. Der Russe muss derzeit auf der Ersatzbank Platz nehmen. Seine Leistungen sind Keller zu schwankend. Nach der Sperre von Marcia dürfte Progrebnyak aber wieder eine Option für die Startelf sein. Für die Organisation der Abwehr ist Kapitän Matthieu Delpierre verantwortlich.

Eine intensive Konzentrationsphase auf die Bundesliga würde man sich in Stuttgart wünschen, um Lösungen für die „katastrophale Situation" zu finden. Zeit dazu haben die Beteiligten aber nur begrenzt. Denn in der Europa League, wo der VfB übrigens - mit Ausnahme von Bern - von Sieg zu Sieg eilt, müssen alle zwei Wochen lästige Pflichtaufgaben geleistet werden. Weil es international so gut läuft, kam Keller mit der Idee auf, die Stammspieler zu schonen und eine B-Elf in Bern auflaufen zu lassen. Serdar Tasci, Cacau, Timo Gebhardt und Matthieu Delpierre blieben zu Hause. Ob diese Idee Früchte trägt und die Stuttgarter am 15. Spieltag zu einem weiteren Höhenflug ansetzen, bleibt abzuwarten.

"Hoffenheim über allem"

Klar ist auf jeden Fall, dass die Europa League in der aktuellen Situation Nebensache ist und die höchste und einzige Konzentration der Liga gilt. „Für uns steht die Partie gegen Hoffenheim über allem", kündigte Sportdirektor Fredi Bobic an. Drei Punkte sind Pflicht, alles andere bringt Stuttgart nicht weiter. "Das wird eine heiße Kiste. Wir brauchen die Punkte unbedingt", so Bobic. Die Hoffenheimer werden den Schwaben das baden-württembergische Derby aber alles andere als einfach machen. Den Aufwärtstrend und Platz sechs wollen die Kraichgauer halten, besser noch verbessern. Nach dem Erfolg in Frankfurt und dem Last-Minute-Remis gegen Leverkusen läuft es im verschneiten Sinsheim rund. Die Punkte 12,13 und 14 zu sammeln, wird also eine harte Nuss für Stuttgart. Aber was ist in diesen Tagen - in der Liga - als Stuttgarter schon einfach?

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