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PROFIS
13.09.2021

„Kleiner George” mit großen Zielen

Dass er seine Worte mit Bedacht wählt, hat Georginio Rutter in der noch jungen Spielzeit bereits bewiesen: „Die TSG ist der ideale Verein für mich“, hatte der im Januar nach Hoffenheim gewechselte Franzose vor der Saison betont – und zeigte anschließend auf dem Feld, warum das so ist. Der 19-Jährige überzeugte als Torschütze und Vorbereiter und startete überragend in die neue Spielzeit. Auf dem Weg zu einer großen Karriere will der „kleine George“, wie sein Name übersetzt lautet, in dieser Spielzeit die nächsten Schritte machen.

Ein altes Sprichwort besagt, dass wer die Sonne im Herzen trägt, nie vom Wetter abhängig sei. Auf Giorginio Rutter trifft das zu, denn der Franzose ist so gut gelaunt, dass ihm der verregnete Sommer in Deutschland in diesem Jahr nicht die Laune verderben konnte. Wirklich wichtig waren andere Dinge. Und zwar – frei nach Adi Preißler – „aufm Platz“. Dort erlebte der 19-Jährige so viele Highlights, dass das Grinsen derzeit nicht aus seinem Gesicht weichen will. Den mutigen Wechsel zur TSG im Januar und den damit verbundenen Abschied aus seiner Heimat hat er nie bereut. Im Gegenteil: „Ich fühle mich hier sehr wohl. Der Klub ist einfach perfekt für mich“, schwärmt Rutter. „Die Mannschaft und der gesamte Staff haben mich sehr herzlich aufgenommen.“

Seit seiner Ankunft im Kraichgau hat sich alles schnell gefügt für den in der Bretagne geborenen Angreifer – auch neben dem Platz. In Neckargemünd wohnt er, seine Freizeit verbringt er meist mit Melayro Bogarde, alle paar Wochen kommt seine Familie zu Besuch. Sehr zur Überraschung der Eltern vernehmen sie keinerlei Klagen über Heimweh oder die große Entfernung zur Familie, wie er erzählt: „Ich bin wirklich sehr zufrieden. Das sage ich auch allen. Als ich nach Deutschland kam, konnte ich mir nicht vorstellen, dass alles so gut funktionieren würde, meine Familie freut sich deshalb natürlich umso mehr“, sagt Rutter.

Traumdebüt im Februar

Eigentlich hatte er sich darauf eingerichtet, zunächst nur Spielpraxis in der U23 zu sammeln. In der Regionalliga wollte er die Sicherheit zurückgewinnen, die ihn zu einem der besten Nachwuchsspieler Frankreichs gemacht hat. Doch bei Stade Rennes war er zuvor nur noch sporadisch zum Einsatz gekommen. „Hier bin ich sofort zur Ruhe gekommen. Man hat sich sehr gut um mich gekümmert“, sagt Rutter mit Blick auf das Frühjahr. Der Rückhalt und das Vertrauen waren die Basis für starke Trainingsleistungen, die ihn nach nur drei Wochen in Hoffenheim ins Bundesliga-Team katapultierten. Eine unverhoffte Reise ohne Umwege – und so sollte es weitergehen: Sein Bundesliga-Debüt wurde zum gelebten Traum. Gegen Werder Bremen wurde er am 21. Februar in der 87. Minute eingewechselt, drei Minuten später erzielte er mit seinem starken linken Fuß den Treffer zum 4:0-Endstand. „Das hat mich wirklich stolz gemacht. Meine doppelte Premiere hat bei mir sofort Lust auf mehr geweckt. Das ist ja nicht normal, dass man so etwas erlebt“, sagt Rutter.

Die Mischung aus Sonnyboy-Attitüde, fußballerischer Klasse und aufopferungsvoller Spielweise überzeugten Teamkollegen und Trainer Sebastian Hoeneß wie bei einem Speed-Dating. Nicht nur beim Torjubel wird Rutter geherzt und umarmt, es ist für jeden deutlich sichtbar, dass der Angreifer ein gern gesehener Zugang im TSG-Kollektiv ist. „Ein kleines bisschen junge Energie und Liebe“ postete etwa Andrej Kramarić mit einem zwinkernden Smiley versehen unter ein gemeinsames Foto mit Rutter bei Instagram. Und Trainer Sebastian Hoeneß sagt über den Franzosen „Er ist auch ein guter Typ, der das Herz am rechten Fleck hat und deswegen eine große Akzeptanz in der Mannschaft hat.“

Sprachunterricht in der Akademie

Der Sohn einer Mutter aus dem französischen Übersee-Departement La Réunion und einem aus dem Elsass stammenden Vater mit karibischen Wurzeln arbeitete von Beginn an bewusst an seiner Integration. „Ich glaube, die Anpassung ist auch gut gelaufen, weil ich die deutsche Sprache lernen will. Das war nur zu Anfang ein bisschen kompliziert. Inzwischen komme ich immer besser zurecht“, sagt Rutter, der in der TSG-Akademie Sprachunterricht erhält. Deshalb funktioniert die Kommunikation beim Training und in der Kabine schon gut – die Vorteile zeigen sich auch auf dem Feld: „Die anderen sagen mir, was ich gut mache und was noch schlecht ist. Ich lerne viel, zum Beispiel wie man besser kombiniert. Im Training gibt es Spielzüge, von denen ich vorher nicht wusste, dass man sie machen kann. Es ist ein großer Vorteil für mich, mit vielen erfahrenen Profis zusammenzuspielen. Es ist wirklich fantastisch. Dass ich bei der TSG so schnell eine prägende Rolle im Team einnehmen könnte, habe ich nicht gedacht. Bevor ich kam, hatte ich ja kaum gespielt.“

Bei Stade Rennes, dem bretonischen Traditionsklub der Ligue 1, hatte er im September 2020 sein Profi- Debüt gefeiert, war in der Folge aber nur zu vier weiteren Kurzeinsätzen gekommen. Seine Torgefahr bewies er dennoch: Im Dezember 2020 gelang ihm nach einer Einwechslung beim 1:3 gegen den FC Sevilla ein Tor in der UEFA Champions League. Großes Kino auf der größten Bühne des Klubfußballs. „Das war sehr bewegend, weil ich keine einfache Zeit in Rennes hatte“, sagt Rutter. Sein erstes Profi-Tor wurde zu einem spektakulären Abschiedsgruß. Nach dreieinhalb Jahren in Rennes wollte er fort, lehnte ein Vertragsangebot ab – und startete wenig später bei der TSG durch.

Lob von Rosen und Hoeneß

Seine bisherige Entwicklung in Hoffenheim zeigt auch, dass Sportdirektor Alexander Rosen mal wieder den richtigen Riecher hatte. Denn der Transfer von Rutter sollte eigentlich erst im Sommer finalisiert werden, wurde dann aber doch kurzfristig am Deadline-Day des Wintertransfer-Fensters vollzogen. „Georginio ist eines der vielversprechendsten Talente des französischen Fußballs und hat sich für seine Weiterentwicklung Hoffenheim ausgesucht“, sagte Rosen, nachdem das Arbeitspapier bis 2025 unterzeichnet war. Auf dem Transfermarkt galt Rutter als Juwel. Die renommierte französische Sportzeitung „L'Equipe“ schrieb im Sommer 2020, der FC Arsenal, Newcastle United und die „halbe Bundesliga“ seien hinter ihm her. Aus gutem Grund: bei seinen Auftritten als Stammspieler in sämtlichen französischen Junioren-Nationalmannschaften seit der U16 hatte er regelmäßig seine Qualitäten präsentiert – vor allem bei der U17-Weltmeisterschaft 2019, bei der er drei Treffer zum Bronzemedaillen- Gewinn des Trikolore-Teams beisteuerte.

Sebastian Hoeneß weiß genau, was er an seiner Nummer 33 hat. „Georginio ist ein sehr athletischer, abschlussstarker Stürmer, der variabel einsetzbar ist. Mit seiner Kombination aus Schnelligkeit, Athletik und Abschlussstärke mit beiden Füßen hat er ein enormes Potenzial“, sagt der TSG-Cheftrainer. Nicht nur er findet lobende Worte, bereits im März überschrieb der „kicker“ einen Artikel über das TSG-Talent mit der Zeile: „Auf den Spuren von Roberto Firmino“. Der Brasilianer kam als nahezu unbekanntes Talent im Winter 2011 zur TSG und erhielt im Kraichgau die Grundlagen, die ihn ab 2015 beim FC Liverpool zu einem Weltstar machten.

Niemand erwartet eine ähnliche Entwicklung, aber die bisherige Laufbahn Rutters lässt eine verheißungsvolle Karriere erahnen. Schon früh, im Alter von zwölf Jahren, fiel das herausragende Talent von Georginio Beobachtern und Scouts auf. In der Folge wechselte er vom Stadtteilklub AS Mènimur, wo er mit fünf Jahren angefangen hatte, zum größeren OC Vannes. Sein damaliger Jugendtrainer Frederic Lagadec sagte über ihn im vergangenen Jahr: „George erinnert mich an Neymar, aber nicht wegen der schlechten Dinge. Sondern weil er den Fußball liebt und einfach Spaß auf dem Spielfeld haben möchte. Er strebt immer nach dem Maximum.“

Nach einer Ausbildung an der Eliteakademie Pole Espoirs Football de Ploufragan wurde er mit 15 von Stade Rennes verpflichtet, das für seine exzellente Nachwuchsarbeit bekannt ist. Aber Rennes ist Vergangenheit, Rutter konzentriert sich vollkommen auf „Hoffe“. Dass sein Vorname auf dem Trikot steht, ließ die DFL zu, weil dies auch schon in Frankreich erlaubt wurde. Aber nicht wegen dieses Markenzeichens und wegen seiner markanten Haare („Als ich sie früher lang trug, wurde ich geneckt, weil ich wie ein Mädchen aussah“) will er weiter Ausrufezeichen setzen. „Ich bin hergekommen, um mit der Mannschaft möglichst jedes Spiel zu gewinnen.“ Fest im Blick hat er aber noch ein weiteres Ziel: „Ich möchte bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris im französischen Team um die Goldmedaille spielen.“

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