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AKADEMIE
26.05.2021

Danke, Hans Schobes

Nach 17 Jahren, mehr als 400 Pflichtspielen, rund 15.000 gerichteten Trikots und drei großen Titeln wurde U19-Betreuer Hans Schobes vergangene Woche mit einer kleinen, coronakonformen Zeremonie in den fußballerischen Ruhestand verabschiedet. Ein Rückblick auf die bewegte und erfolgreiche TSG-Karriere einer echten Hoffenheimer Institution, die eigentlich nicht wegzudenken ist.

Und dann stockte die Stimme doch. In den Tagen, ja Minuten zuvor hatte Hans Schobes noch abgeklärt gewirkt. Als U19-Cheftrainer Marcel Rapp nach der letzten Trainingseinheit 2020/21 die scheidenden Spieler und schließlich auch ihn verabschiedet hatte und nun auch er selbst ein paar Worte an die Jungs, an „seine“ Jungs, richten wollte, wurde Schobes von Emotionen übermannt. Aber nur kurz. Rapp hatte anschließend noch eine besondere Überraschung für seinen langjährigen Weggefährten parat: Auf einen eigens aufgebauten Bildschirm im Außenbereich der Akademie-Arena in Zuzenhausen zeigte er einen dreiminütigen Zusammenschnitt einer Videobotschaft, in der alle Hoffenheimer Cheftrainer, für die Schobes gearbeitet hat, sowie der Schalker U19-Coach Norbert Elgert eine Grußbotschaft an den Fußball-Ruheständler übermitteln.

Zeit für die Familie

„Mit fast 66 Jahren ist es Zeit, Schluss zu machen“, sagt der gebürtige Magdeburger, der bei einer Grillparty im Sommer 2004 vom damaligen TSG-A-Jugendtrainer Uwe Wolf für den Betreuer-Job begeistert – und rekrutiert wurde. Zwischen Bratwurst und Bier, sozusagen. Die nun scheidenden U19-Spieler trugen zu diesem Zeitpunkt noch Windeln. In den darauffolgenden 17 Jahren durfte Schobes, der bei Auswärtsfahrten im Bus immer auf dem Sitz hinter dem Cheftrainer Platz nahm, Deutsche Meisterschaften und Pokalsiege feiern, bei internationalen Turnieren und Wettbewerben um die halbe Welt fliegen und viele Talente betreuen, von denen er nun einige samstags in der Sportschau sehen kann.

Hans Schobes war für die TSG-Talente mehr als jemand, der am Wochenende die Trikots richtete und für reibungslose Abläufe sorgte. „Ich habe mich immer auch als väterlichen Freund für die Spieler gesehen und hoffe, dass sie mich auch so wahrgenommen haben.“ Der 65-Jährige war bei den jungen Heranwachsenden auch als Vertrauensperson gefragt und für die neuen Trainer eine wichtige Stütze in deren Einarbeitungszeit.

1982 kam Schobes mit seiner Frau Heike in die Region, seit 1989 wohnen sie in ihrem Haus in Mauer. Bereits zu Zeiten, als er in der Deutschen Demokratischen Republik aufwuchs, war er ein großer Anhänger des West-Fußballs und von Borussia Mönchengladbach. Das wiederum lag an seiner Tante, die im Stadtteil Rheydt wohnte und die Schobes regelmäßig besuchen durfte. Wann immer er konnte, stand er auf den Rängen des Bökelbergstadions, um den „Fohlen“ zuzujubeln. Und er lernte sogar sein Idol Günter Netzer kennen, der mit Schobes‘ zehn Jahre älterem Cousin die Schulbank gedrückt hatte.

Viele schöne Erinnerungen

Der Fußball hat seit jeher jedes Wochenende diktiert, der TSG-Spielplan die Freizeitaktivitäten der Familie beeinflusst. Damit ist jetzt Schluss. „Ich freue mich auf viele freie Wochenenden mit Frau, Kindern und den beiden Enkelkindern“, so Schobes, der als Camping-Liebhaber auch den Wohnwagen bereits auf Vordermann gebracht hat. „Ich werde nicht wie ein alter Opa nur zu Hause rumsitzen und will noch viel erleben.“

Viel erlebt – das hat Hans Schobes auch in 17 Jahren TSG. „Der größte Gänsehaut-Moment für mich war die Zeremonie nach dem DFB-Pokalsieg 2010 im Berliner Olympiastadion. Nach der Regenschlacht im Finale gegen Hertha BSC aufgeregt durch die Katakomben zu geistern, dann da unten auf dem heiligen Rasen zu stehen und von 15.000 Menschen gefeiert zu werden, das war etwas ganz Besonderes.“

Aber auch die beiden Meisterschaften mit den B- und A-Junioren bleiben unvergessen. Vor allem das Halbfinal-Hinspiel 2014 gegen den FC Schalke 04 in der großen Arena in Gelsenkirchen. Nicht nur wegen der unerträglichen Spannung und der tollen Atmosphäre, die die große Kulisse erzeugte, sondern auch wegen eines kleinen Malheurs: „Steffen Nkansah hatte das 1:0 erzielt und es wurde euphorisch-hektisch. Als ich im Jubeltaumel eine Trinkflasche holen wollte, bin ich rückwärts in Torwarttrainer Michael Rechner gerannt und habe mich der Länge nach hingelegt. Der Videoanalyst hat das gefilmt, so dass ich bis heute für diese Nummer auf den Arm genommen werde.“ Aber auch das zeichnet Hans Schobes aus: Sich nicht zu wichtig zu nehmen und über sich selbst lachen zu können.

„Es gab so viele schöne Erlebnisse“, blickt Schobes zufrieden zurück. „Die gesamte Youth-League-Saison und allen voran das verrückte 4:2 im Viertelfinale gegen Real Madrid. Oder die drei Teilnahmen am Dallas-Cup, die zwar aus sportlicher Sicht weniger von Erfolg gekrönt, aber dennoch eine große Bereicherung waren. Und nicht zu vergessen der Trip an Ostern 2017 nach London und Liverpool, wo wir unter anderem das Beatles-Museum besucht haben.“ Als Jahrgang 1955 nehmen die Liverpooler Pilzköpfe natürlich einen besonderen Stellenwert in seinem Leben ein.

„Ich kam mit allen Trainern gut klar“

Die Frage, welche Trainer und welche Spieler den größten Eindruck hinterlassen haben, wird Schobes immer wieder gestellt. Mit der Gelassenheit eines Mittsechzigers antwortet er mittlerweile: „Jeder Trainer hatte seine eigene Art und ich kam mit allen gut klar. Bei dem einen sind die Flaschen durch die Kabine geflogen, der andere war eher ruhig und besonnen.“ Und bei den Jungs? „Natürlich steht man dem einen näher als dem anderen. Aber ich habe sie alle ins Herz geschlossen. Den, der ein Rabauke war und mal zur Strafe für ein Fehlverhalten im Trainingslager alle Teller abräumen musste und heute in der Bundesliga spielt. Oder den, der kein Profi wurde, aber im Berufsleben seinen Mann steht. Ich mache da keine Unterschiede, ob Karriere oder nicht, ob extro- oder introvertiert – ich hatte einfach nur viel Freude daran, mit jungen Menschen gearbeitet zu haben.“

So ganz geht Hans Schobes dann aber nicht. Seinen Job als Facility Manager bei „Anpfiff ins Leben“ wird er weiterhin ausüben und somit mit den TSG-Kollegen in Kontakt bleiben. Nur die Wochenenden sind ab sofort frei. Jetzt freut er sich auf den Nordsee-Urlaub und das Public Viewing bei der Fußball-Europameisterschaft.

Als an diesem nieselregnerischen Freitag die letzte U19-Trainingseinheit der Ära Hans Schobes absolviert ist, die Abschiedsreden gehalten und die Grußworte abgespielt sind, ergreift der Noch-Betreuer ein letztes Mal das Wort: „Jungs, eine Bitte habe ich noch. Haut beim letzten Freundschaftsspiel morgen nochmal alles für mich raus!“ Die Stimme ist da wieder fest, klar und laut. So, wie es die Spieler in den vergangenen 17 Jahren gewohnt waren.

Den Platz im Bus hinter dem Cheftrainer wird nun jemand anderes einnehmen.

 

Zitate aus der Videobotschaft

„Hans, Du bist ein liebenswerter Mensch und feiner Kerl.“ [Norbert Elgert]

„Du warst immer zuverlässig, freundlich, aufgeschlossen und hast alle Probleme gelöst.“ [Alfons Higl]

„Eine Ära geht zu Ende, unsere gemeinsame Zeit bleibt mir in allerbester Erinnerung.“ [Domenico Tedesco]

„Ich werde unsere erste Begegnung nie vergessen, es war das Halbfinale um die Deutsche U17-Meisterschaft. Da rannte so ein Grauhaariger quer über den Platz. Du hast das 6:1 der TSG bejubelt. Ich war Trainer des Gegners.“ [Thomas Krücken]

„Wir haben viele unvergessliche Momente erlebt, die ich immer in meinem Kopf und in meinem Herzen tragen werde.“ [Matthias Kaltenbach]

„Vielen Dank für Deine herausragende Arbeit.“ [Julian Nagelsmann]

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