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SPIELFELD
10.05.2021

Analytischer Fortschritt in der Welt der Zahlen

Ihlas Bebou ist ein ehrgeiziger Fußballprofi. Um seine Leistung auf dem Platz zu optimieren, verbringt der TSG-Spieler viele Stunden vor dem Laptop und analysiert seine Leistungen. In der laufenden Spielzeit zahlt sich das Selbststudium des 26-Jährigen aus. Der in Togo geborene Angreifer ist aktuell so gut wie nie zuvor in seiner Karriere – das belegen auch die zahlreichen Statistiken: Nachdem seine Laufbahn zunächst durch einige schwere Verletzungen geprägt war, zeigt sich Ihlas Bebou derzeit so treffsicher wie nie zuvor.

Vor gut sieben Jahren nahm die Fußballkarriere von Ihlas Bebou eine entscheidende Wendung: Der heutige Profi der TSG Hoffenheim war damals 19 Jahre alt und spielte in der A-Jugend von Fortuna Düsseldorf in der Junioren-Bundesliga. Fernab vom ruhmreichen Alltag der gutbezahlten Bundesligaprofis. Er war eines von vielen jungen Talenten, die vom Sprung in die höchste deutsche Spielklasse träumten. Doch es deutete vieles darauf hin, dass es beim Traum bleiben sollte. Denn träumen lag dem Angreifer damals deutlich mehr, als an der Verwirklichung seiner Ziele zu arbeiten. Doch dann wurde er wachgerüttelt. „Ich habe damals in einem Spiel eine schlechte Leistung gezeigt. Mein Trainer, der mich zu dieser Zeit eigentlich stark förderte, wechselte mich frühzeitig aus, um mir ins Gewissen zu reden. Er zeigte mir auf, welche Möglichkeiten ich doch eigentlich habe. Ich wurde sehr emotional, irgendwie hat es in mir ,klick' gemacht. Rückblickend war es ein sehr bedeutender Moment für mich.“ Das Erlebnis wurde zum Wendepunkt, der dafür sorgte, dass Bebou doch noch die Einfahrt zur Profi-Karriere nahm und nicht wie die große Mehrheit junger Fußballer die Bundesliga weiterhin nur im TV verfolgte. Mittlerweile ist er ein gestandener Profi. Über die Stationen Fortuna Düsseldorf und Hannover 96 folgte 2019 der Wechsel zur TSG Hoffenheim. In seiner zweiten Spielzeit im Kraichgau erlebt der 26-Jährige nun erneut eine bedeutende Phase in seiner sportlichen Laufbahn.

Erfolgreichste Saison der Karriere

Kurz vor dem Ende der Spielzeit steht bereits fest: „Es ist gerade wirklich die beste Phase meiner Karriere. Es freut mich, dass ich meine Form regelmäßig abrufen kann.“ Auch die offiziellen Bundesliga-Statistiken bestätigen die Einschätzung des TSG-Profis. Die Saison 2020/21 ist die erfolgreichste von Ihlas Bebou. Vor dem Tor ist der Angreifer so gefährlich wie nie zuvor – neun Treffer und sieben Vorlagen in einer Spielzeit stellen ein Novum für Bebou dar, hinzu kommen drei Assists in Europa League und DFB-Pokal. In der Welt der Zahlen fühlt sich der gebürtige Togolese wohl – er fordert die unzähligen Statistiken, die während der Bundesligaspiele aufgezeichnet werden, konsequent vom Trainerteam ein. In den heimischen vier Wänden folgen intensive Stunden vor dem Laptop, die einzig der Optimierung seiner fußballerischen Fähigkeiten dienen: „Das mache ich schon seit einigen Jahren. Ich gucke mir dann an, wie ich meine Aktionen zu Ende gebracht habe oder was ich hätte besser machen können. So versuche ich mich von Woche zu Woche weiterzuentwickeln.“

2011 wechselte der in Aledjo Kadara in Togo geborene und im Rheinland aufgewachsene Bebou vom VfB Hilden zu Fortuna Düsseldorf. Angekommen im Nachwuchsleistungszentrum des Zweitligisten legte der damals 17-Jährige eine immer professionellere Einstellung an den Tag. Dennoch musste Bebou in den Anfängen feststellen, dass es trotz Fleiß und Willen zu Situationen kommen kann, in denen enge Grenzen entstehen. Unmittelbar vor dem Sprung in den Profifußball bremsten das vielversprechende Talent Verletzungen aus.

Im Juli 2013 erhielt die Verletzungshistorie von Bebou ihren ersten Eintrag – bevor sie in den folgenden Jahren stetig wachsen sollte. Während eines Testspiels in der Schweiz erlitt der damalige U19-Spieler bei einem Zweikampf einen Schädelbruch. Die gefährliche Verletzung markierte den „schlimmsten Moment meines Lebens“, sagt er. Doch die Fraktur verheilte ungewöhnlich schnell und Bebou pausierte nur zwei Monate – die Pechsträhne aber endete vorerst nicht. Unmittelbar nachdem sich Bebou von der Verletzung erholt hatte, stoppte ihn ein Knorpelschaden im Knie für ein gesamtes Jahr: „Die Knieverletzung war damals so schlimm, dass ich fast meine Karriere beenden musste. Vor allem die Ungewissheit war damals schwer für mich. Ich denke schon, dass mich diese Zeit aber gestärkt hat für die Zukunft. Auch wenn ich nun Rückschläge erleide, stehe ich immer wieder auf und mache weiter.“

Unangefochtener Stammspieler unter Hoeneß

Gewissheit erhält Bebou in der laufenden Spielzeit durch das Vertrauen, das ihm Trainer Sebastian Hoeneß schenkt. Der Angreifer zählt zu den meisteingesetzten Akteuren im 31 Mann starken Kader der TSG Hoffenheim. 27 Mal stand Bebou 2020/21 wettbewerbsübergreifend in der Startelf. „Es freut mich sehr, dass ich derzeit so viel Spielzeit kriege. Es macht mir aktuell einfach Spaß,“ sagt der 26-Jährige. Obwohl der Kader der TSG Hoffenheim insgesamt sechs Stürmer listet, fällt die Wahl immer wieder auf Bebou. Nicht nur Hoeneß, auch gegnerische Trainer nehmen die Entwicklung in der Offensivabteilung der TSG wahr. In der Öffentlichkeit fällt bei der Gegner-Analyse der Name Bebou weitaus häufiger als noch in der vergangenen Saison: „Das ist definitiv eine Bestätigung für meine Leistung in den vergangenen Wochen. Wenn andere Trainer ihr Team vor mir warnen, ist das sicherlich nichts Schlechtes.“

Womöglich weisen die Trainer ihre Spieler dann auf die Schnelligkeit des TSG-Profis hin. Der Togolese zählte in der vergangenen Spielzeit zu den zehn schnellsten Sprintern der Bundesliga, 2017 war seine Geschwindigkeit von 35,35 km/h sogar der Top-Speed aller Akteure. Mit seinen Attributen geht der Angreifer stets offensiv um: „Meine Schnelligkeit ist meine Waffe, und die versuche ich so gut wie möglich einzusetzen.“ Dass er nach schlechten Spielen von den Medien und Trainern als Leichtathlet abgestempelt wurde, stört den 26-Jährigen kaum: „Meine Schnelligkeit hat in meinem Spiel schon immer rausgestochen. Deshalb bin ich über diese Vergleiche auch nicht böse. Aber natürlich habe ich noch andere Qualitäten, vor allem meine Technik konnte ich zuletzt verbessern.“ Wenn Bebou weiter an seinen persönlichen Analysen und im Training daran arbeitet, noch besser zu werden, dürfen die Fans einiges erwarten. Dass er ehrgeizig die Verwirklichung anstrebt, ist sicher: Durch sein Faible für Statistiken hat Ihlas Bebou den Druck auf sich selbst erhöht – denn er weiß genau: Zahlen lügen nicht.

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