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AKADEMIE
27.10.2020

Lúkas Petersson: Der spätberufene Keeper

Bis zur U13 war Lúkas Petersson ein talentierter Verteidiger, doch als er sich ins Tor stellte, fand er seine eigentliche Berufung. Als Feldspieler im Kinderperspektivteam der Akademie gestartet, als Torwart mittlerweile in der Junioren-Bundesliga angekommen: die einzigartige Geschichte des 16-jährigen Isländers, der nun Stammkeeper der U17 ist.

Dass bei Lúkas Petersson reichlich Talent in den Händen stecken könnte, darauf hätte man eigentlich schon früher kommen können. Der Sohn des Handballprofis Alexander Petersson, der 173 Länderspiele für Island absolviert hat und für die Rhein-Neckar Löwen in der Bundesliga spielt, sowie der früheren isländischen Handball-Nationalspielerin Eivor Blöndal hätte genetisch beste Voraussetzungen, um ebenfalls ein erfolgreicher Handballer zu werden. „Früher habe ich auch Handball gespielt. Da habe ich viele Sportarten ausprobiert: Fußball, Handball, Feldhockey, Tennis, Golf“, sagt Petterson. „Aber Fußball hat mir am meisten Spaß gemacht.“

Sein erster Verein hieß FC Wiesharde. Vater Alexander spielte parallel beim Handball-Bundesligisten SG Flensburg-Handewitt. Als Lúkas sechs Jahre alt war, wechselte Alexander zu den Füchsen Berlin und der Filius kickte in der Jugend von Tennis Borussia Berlin. Zwei Jahre später der nächste Vereinswechsel des Vaters und Umzug für die Familie Petersson. Diesmal ging es in den Kraichgau nach Rauenberg, wo Lúkas beim dortigen VfB weiterspielte – aber immer im Feld.

Als großgewachsener Innenverteidiger mit gutem Spielverständnis, Auge und Kopfballspiel fiel der Isländer den Scouts der TSG auf, die ihn ins Kinderperspektivteam (KPT) einluden. Zwei Jahre spielte er in der E-Jugend des VfB Rauenberg und parallel im KPT. Dann zur U12 der feste Wechsel nach Hoffenheim.

Verletzungspech in der U12

Schon im KPT hatte „Luksi“, wie Lúkas Petersson von seinen Mitspielern und Trainern gerufen wird, ab und zu als Keeper ausgeholfen. „Wenn ein Torwart gebraucht wurde, habe ich freiwillig die Hand gehoben. Das hat mir schon damals Spaß gemacht“, erinnert sich Petersson, der in der U12 unter dem damaligen Cheftrainer Paul Tolasz aber klar als Innenverteidiger eingeplant war.

Doch kaum war Petersson fest bei der TSG, setzte auch schon das Verletzungspech ein. Ein angebrochenes Sitzbein machte dem Abwehrspieler fast die komplette Saison zu schaffen. Zwar wurde er vom damaligen U13-Cheftrainer Michael Kunzmann in den älteren D-Jugend-Jahrgang übernommen. Doch so richtig in Fahrt kam Petersson in der U13 nicht. Vor allem an Tempo mangelte es dem Verteidiger, der schon damals größer als seine Mitspieler war.

Bei den Feedback-Gesprächen im Winter dann die zunächst erschütternde Nachricht: Die TSG-Verantwortlichen teilten Petersson schweren Herzens mit, dass es nach aktuellem Stand mit der Übernahme in die U14 sehr eng werden würde. Zunächst ein Schock für den ambitionierten Nachwuchskicker. „Am Anfang war ich sehr enttäuscht. Vor allem, weil ich mit der Zeit im KPT ja schon recht lange da war“, sagt Petersson. Doch dann hatte der damals Zwölfjährige eine Idee.

Da er nichts mehr zu verlieren hatte, schlug Petersson vor, in Zukunft gemeinsam mit den beiden damaligen U13-Keepern Max Weiß und Felix Bürgermeister das Torwarttraining zu absolvieren. „Ich wollte das einfach gerne probieren und habe dann auch relativ schnell die Rückmeldung erhalten, dass es gut läuft und ich ruhig weitermachen kann.“

Am Anfang wenig Selbstvertrauen

Unter dem damaligen Torwarttrainer Julian Kühn entwickelte sich der Isländer als Torwart stetig weiter und durfte sogar erste Spiele für die U13 zwischen den Pfosten bestreiten. „Ich denke, mein Vorteil war, dass ich schon immer ein gutes Gefühl für den Ball hatte. Auch dadurch, dass ich früh viele verschiedene Sportarten ausprobiert habe“, sagt Petersson. Dass er Erfahrung als Feldspieler in einem NLZ-Team hat, sieht der 16-Jährige ebenfalls als Vorteil. „Ich wusste schon zu Beginn, wie Abwehrspieler ticken, und hatte ein gutes Gefühl für die Räume vor mir.“

Und doch war die Anfangszeit als Keeper nicht immer leicht für den ehemaligen Verteidiger. „Ich war zu schwer und hatte Probleme damit, schnell unten zu sein. Da alle anderen dünner als ich waren, habe ich mich in meinem Körper auch nicht wohlgefühlt und hatte nicht so viel Selbstvertrauen“, sagt Petersson, der heute mit dem Gardemaß von 1,94 Meter und durchtrainierter Statur dasteht.

Mit einer Ernährungsumstellung und zusätzlichem Athletiktraining konnte sich Petersson seit der U13 kontinuierlich verbessern. So wuchs auch sein Selbstbewusstsein. Heute sagt er: „Ich habe jetzt kaum noch richtige Schwächen und bin dankbar dafür, dass mir meine Trainer immer Zeit gegeben haben, den nächsten Schritt zu machen.“ Dass er sich in der U14, U15, U16 und U17 unter den Torwarttrainern Marijan Petković, Sascha Rausch, Dominik Weber und nun Dominik Maier sowie als übergeordnetem Akademie-Torwarttrainer unter Dennis Neudahm immer weiterentwickelt und auch gegen die internen Konkurrenten um den einen Platz zwischen den Pfosten durchgesetzt hat, tat Peterssons Selbstvertrauen gut.

U19-Debüt in Frankfurt

In der aktuellen Saison kämpft er mit Paul Siegers um den Stammplatz im Tor der U17. Bei aller interner Rivalität pflegen die beiden Keeper jedoch einen freundschaftlichen Umgang miteinander. „Wir haben ein sehr gutes Verhältnis. Paul pusht mich mit seiner Leistung in jedem Training und ich weiß, dass ich kein bisschen nachlassen darf.“

Am vergangenen Wochenende durften sogar Siegers und Petersson spielen: Der Isländer half, nachdem er zuvor in vier U17-Spielen nur ein Gegentor kassiert hatte, bei der U19 in der A-Junioren-Bundesliga aus. Siegers lief zeitgleich für die U17 beim SV Wehen Wiesbaden erstmals in der B-Jugend-Bundesliga auf.

Ohne seinen Wechsel auf die Torhüterposition würde Petersson heute überhaupt nicht mehr Fußball spielen, glaubt der Isländer. „Ich hätte dann wohl wieder mit Handball angefangen und da versucht, so hoch wie möglich zu kommen.“ Zum Glück für die TSG ist es anders gekommen.

Nominierungen für DFB und Island

Als Torhüter hat es der gebürtige Düsseldorfer sogar bereits zu Länderspielen für die isländische U17-Nationalmannschaft gebracht. Zu DFB-Lehrgängen der U15- und U16-Nationalmannschaft war er ebenfalls bereits eingeladen. Auch im Kreise der besten deutschen Spieler seines Jahrgangs hat Petersson gesehen, dass er sein Niveau immer weiter gesteigert hat. „In der U15 habe ich schon noch einen kleinen Unterschied zwischen mir und den anderen Torhütern gesehen, aber in der U16 war ich voll und ganz auf Augenhöhe. Das hat mir gezeigt, dass ich aufgeholt habe.“

In einem Nachwuchsleistungszentrum vom Feldspieler zum Torwart umgeschult zu werden – diese Geschichte dürfte ziemlich einzigartig sein. Auf kleinerer Ebene hat sie sich in der Zwischenzeit jedoch sogar innerhalb der Familie Petersson wiederholt: Lúkas‘ fünf Jahre jüngerer Bruder Tomas hat ebenfalls im Feld angefangen und steht mittlerweile als U12-Spieler im Tor der U13 des FC-Astoria Walldorf.

Das Talent steckt bei den Peterssons eben sowohl in den Füßen als auch in den Händen. Wo es Lúkas mal hinführen soll, ist dem 16-Jährigen klar: „Ich will natürlich Profi werden und glaube auch daran, denn ich habe gesehen, dass ich mein Niveau jedes Jahr gesteigert habe.“ Wenn seine Entwicklung so fortschreitet, dürften alle, die es mit der TSG halten, noch viel Freude an dem isländischen Torhüter haben.

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