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29.04.2020

Leonie Pankratz: „Hoffen auf eine Entscheidung“

Wenn der Ball am Förderzentrum in St. Leon rollt und das Lachen der Spielerinnen über die Plätze schallt, fühlt es sich fast ein bisschen wie Normalität an. Doch trainiert wird nur auf Abstand und in Kleingruppen, die Gedanken kreisen darum, wie es in den kommenden Monaten weitergehen soll. Spielführerin Leonie Pankratz spricht über ihren Alltag in der Corona-Krise, die Szenarien zur Fortsetzung des Spielbetriebs und ihre Hoffnungen.

Hallo Leo, die Corona-Krise prägt derzeit unser Leben. Wie hast Du die vergangenen Wochen erlebt?

„Ich habe anfangs jede Neuigkeit zu den aktuellsten Entwicklungen eingesogen und habe jeder Push-Nachricht, die ich bekommen habe, Aufmerksamkeit geschenkt. Mit der Zeit habe ich aber gemerkt, dass mir das gar nicht gut tut. Durch meinen Mann, der aus Spanien kommt und dessen Familie dort lebt, habe ich wahrscheinlich einen anderen Bezug als viele andere und habe die Situation schon als sehr heftig wahrgenommen. Aber ich komme gut klar und bin froh, dass ich die Zeit unter guten Begebenheiten, wie beispielsweise mit großer Wohnung und Balkon, verbringen kann. Mir fehlen zwar der soziale Kontakt und Dinge, wie dass man einfach mal Kaffeetrinken gehen kann, aber es steht außer Frage, dass jeder etwas zurückstecken muss, weil es am Ende ums große Ganze geht.“

Viele haben ihre Arbeit ins Homeoffice verlagert, wie sieht Dein Alltag momentan aus?

„Ich habe mir meine Routine beibehalten und stehe um sieben Uhr auf, frühstücke und fange dann von zuhause aus an zu arbeiten. Wir bei Anpfiff ins Leben e.V. treffen uns nun per Videokonferenzen zu Meetings, deshalb läuft der Arbeitsalltag für mich eigentlich fast normal weiter. Zudem haben wir ja mittlerweile auch wieder feste Trainingseinheiten am Förderzentrum, sodass im Grunde nur die Freizeitgestaltung etwas anders ausfällt.“

Seit gut zwei Wochen trainiert ihr am Förderzentrum in Kleingruppen. Wie kann man sich eine Trainingseinheit unter Einhaltung der strengen Auflagen vorstellen?

„Wir sind immer nur mit vier Spielerinnen auf dem Platz, hinzu kommt ein Trainer. Die Übungen sind so gestaltet, dass wir uns nicht in die Quere kommen und immer Abstand halten können. Wir arbeiten viel im Bereich Technik, zum Beispiel mit Parcours, der Torschuss kommt auch nicht zu kurz. Unsere Trainer lassen sich viele gute und immer wieder neue Sachen einfallen. Der Spaß kommt definitiv nicht zu kurz, sodass auch die Motivation hoch ist. Mir tut das Training richtig gut, ich kann abschalten und freue mich, trotz Abstand unter Leuten zu sein.“

Wie sieht die Stimmung bei Deinen Mitspielerinnen aus?

„Im Training wird viel gelacht und oft fühlt es sich fast wie Normalität an, obwohl wir davon weit entfernt sind. Wir wissen, dass die Möglichkeit, in Kleingruppen zu trainieren, ein Privileg ist. Deshalb war die Freude insbesondere vor zwei Wochen, als es endlich wieder auf den Platz ging, bei allen riesengroß. Jede hofft aber darauf, dass bald eine Entscheidung fällt, wie es in den kommenden Wochen weitergeht. Wir hängen ein bisschen in der Luft und diese Anspannung merkt man vielen an.“

Wie intensiv verfolgst Du die regen Diskussionen, die sich um eine mögliche Fortsetzung des Spielbetriebs in der Männer- und der Frauen-Bundesliga drehen?

„Ich bin schon immer auf dem aktuellsten Stand. Es ist ein langes Hin und Her und ich bin gespannt, was am Ende dabei herauskommt. Viele Argumentationen, die für eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs sprechen, kann ich gut nachvollziehen. Der finanzielle Aspekt ist bei der Männer-Bundesliga sicherlich ein wichtiger Punkt. Dass man aber der Gesellschaft einen Gefallen damit tue, wieder Fußballzuspielen, das ist für mich ein schwaches Argument. Ich selbst bin deshalb auch ein wenig im Zwiespalt. Ich würde unglaublich gern wieder spielen, sehe das mit Blick auf die Gesundheit aller aber schon kritisch.“

Welche möglichen Szenarien siehst Du für die Frauen-Bundesliga als realistisch?

„Ich bin mit Blick auf die kommenden Monate allgemein eher pessimistisch eingestellt. Deshalb glaube ich persönlich auch nicht, dass die Fortsetzung der Saison möglich ist. Viele Dinge, die das Konzept für die Männer-Bundesliga vorsieht, sind bei uns meiner Meinung nach schwierig umsetzbar. Das fängt damit an, dass wir uns als Spielerinnen im Grunde überhaupt nicht isolieren können, weil wir im Rahmen unserer Arbeit oder unseres Studiums unvermeidbare Kontakte haben.“

Die Corona-Krise wird wohl noch lange in allen Lebensbereichen Spuren hinterlassen. Mit welchen Erwartungen und Hoffnungen blickst Du in die Zukunft?

„Das ist schwer zu sagen. Mir macht Hoffnung, dass es aus vielen Ländern positive Nachrichten gibt und dort wichtige Schritte zurück zur Normalität gegangen werden können. Aber man weiß eben überhaupt nicht, was die Zukunft bringt, zum Beispiel ob uns eine zweite und vielleicht sogar noch stärkere Infektionswelle treffen wird. Mein größter Wunsch für die kommende Zeit ist entsprechend recht klar:  Gesundheit!“

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