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AKADEMIE
17.05.2018

Amadou Onana und der Tanz auf zwei Hochzeiten

Amadou Onana bestreitet am Donnerstag ab 14 Uhr in Rotherham/England mit der belgischen U17-Nationalmannschaft das EM-Halbfinale gegen Italien. Achtzehn99.de stellt den 16-jährigen gebürtigen Senegalesen, der seit vergangenem Sommer im Internat der TSG Akademie lebt und für die U17 der TSG in der Bundesliga am Ball ist, vor.

„Wir sind als Außenseiter in dieses Turnier gestartet“, gesteht Onana, „denn wir haben uns mit nur vier Punkten durch die Eliterunde gequält. Aber wir haben schon da fest an uns geglaubt, jeder hat sich für den anderen ins Zeug gelegt – und hier sind wir nun: im EM-Halbfinale.“ Ohne Gegentor marschierte das Team von Trainer Thierry Siquet durch die Gruppenphase und bezwang am Montag etwas überraschend im Viertelfinale Titelverteidiger Spanien mit 2:1.

Geboren wurde Amadou Onana am 16. August 2001 in der senegalesischen Hauptstadt Dakar. Als er zehn Jahre jung war, zog seine Familie nach Belgien, Onana wuchs in der Metropole Brüssel auf und spielte in der Jugend von White Star sowie von Rekordmeister RSC Anderlecht. Über die Zwischenstation SV Zulte Waregem kam der Mittelfeldspieler zur Spielzeit 2017/18 schließlich nach Hoffenheim.

„Ich gebe in jedem Spiel mein Bestes, um der Mannschaft in jeder Lage zu helfen. Ob meine Leistungen gut sind, müssen mein Trainer und meine Mitspieler entscheiden“, fasst der 1,90-Meter-Riese die vier bisherigen EM-Partien aus seiner Sicht zusammen und gibt zu: „Mit meiner Einsatzzeit bin ich sehr zufrieden, ich stand drei Mal in der Startformation und bin unserem Trainer sehr dankbar, dass er mir das Vertrauen schenkt.“

Fünf Sprachen

Während des Turniers in England teilt sich Onana ein Zimmer mit Jamie Yayi Mpie, der seine Zelte bei Sampdoria Genua in Italien aufgeschlagen hat und ebenfalls zuvor in Anderlecht kickte. Der Stürmer traf beim 4:0 gegen Bosnien-Herzegowina und markierte den 2:1-Siegtreffer gegen Spanien, als er von Schlussmann Arnau Tenas angeschossen wurde und der Ball plötzlich im Netz lag. „Mit ihm verstehe ich mich sehr gut. Aber auch zu Largie (Ramazani), Sekou (Sidibe) und Jérémy (Doku) habe ich einen sehr guten Draht. Das sind unglaubliche Fußballer, aber auch sehr gute Freunde, auf die ich mich verlassen kann.“

Onana hatte in Hoffenheim keine Integrationsprobleme, zumal er Deutsch im Handumdrehen lernte. Im Senegal wuchs er mit Französisch und seiner Muttersprache Wollof auf (den älteren Lesern aus dem Intro des 90er-Jahre-Songs „7 Seconds“ der schwedischen Rapperin Neneh Cherry und des senegalesischen Sängers Youssou N’Dour bekannt), in Belgien kamen Flämisch und Englisch hinzu, so dass er bereits mit 16 fünf Sprachen beherrscht. „Innerhalb des Teams reden wir Flämisch, aber oft auch Französisch, das hängt ein bisschen von unserer Stimmung ab.“ Wer kann, der kann.

„Ich war für eine neue Herausforderung bereit“, begründet Onana seinen Wechsel zur U17 der TSG, für die er in dieser Saison bislang 14 Spiele absolviert hat. „Es war eine einfache Entscheidung, weil Hoffenheim ein großer Klub ist, in dem sich viele Mitarbeiter um uns kümmern – und das in allen Lebenslagen. Die TSG hat sich ihren Erfolg nach und nach aufgebaut und sich nun für die Champions League qualifiziert – und das völlig zu Recht.“

Traum vom Titel

Derzeit steht die TSG-U17 von Trainer Danny Galm nach neun Siegen in Serie auf Platz eins in der Bundesliga Süd/Südwest, doch der FC Bayern München und der VfB Stuttgart haben bei zwei Punkten Rückstand jeweils noch eine Partie in der Hinterhand. „Natürlich träumen wir davon, die Meisterschaft zu gewinnen, aber das wird sehr schwer“, weiß Onana, der in Sinsheim das Wilhelmi-Gymnasium besucht. „Wir müssen unsere beiden letzten Spiele gegen den VfB und Nürnberg gewinnen und auf einen Ausrutscher der Bayern hoffen, aber wir sind zuversichtlich und werden bis zum Schluss daran glauben.“

Doch im Moment gilt Onanas volle Konzentration der U17-EM in England und dem Duell am Donnerstag in Rotherham gegen Italien (14 Uhr live auf Sport1). Ein Sieg gegen die „Azzurri“ – und Onana & Co. würden etwas Historisches schaffen: Zwei Mal schon stand eine belgische U17 bei einer EM im Halbfinale (2007 und 2015), das Finale erreichte sie allerdings nie.

Es wäre überhaupt das erste Endspiel für eine Auswahl der „Roten Teufel“ seit 1980, als Belgien erstmals auf die Fußball-Landkarte kam. Damals stürmte das A-Team um Kapitän Jan Ceulemans, den späteren FCK-Trainer Eric Gerets und Welttorhüter Jean-Marie Pfaff in Italien ins EM-Finale, wo es allerdings der Bundesrepublik Deutschland 1:2 unterlag. Jahrelang zählte der belgische Fußball daraufhin zum internationalen Establishment. Die Nationalmannschaft stand 1986 im WM-Halbfinale, die Klubs aus Brüssel, Brügge, Antwerpen, Lüttich und Mechelen erreichten bis Mitte der 90er Jahre regelmäßig Europapokal-Endspiele.

Die nächste Generation steht bereit

Dann wurde es ein paar Jahre still um die „Rode Duivels“ (Flämisch) bzw. die „Diables Rouges“ (Französisch), ehe die Generation Vincent Kompany, Eden Hazard und Kevin de Bruyne für ein Revival sorgte. Seit der WM 2014 gehört Belgien bei den großen Turnieren wieder zum engeren Favoritenkreis. Die aktuelle U17-Nationalmannschaft nährt derzeit die Hoffnung, dass der Höhenflug des belgischen Fußballs noch ein paar Jahre anhalten könnte.

Wie schafft es so ein kleines Land wie Belgien – das gemessen an den Einwohnern in Europa nur Platz elf, an der Fläche sogar nur Rang 34 belegt – sich dauerhaft in der Weltspitze festzusetzen? „Es ist unser Glück, dass wir im Moment so Weltklasse-Spieler wie Romelu Lukaku, Eden Hazard oder Kevin de Bruyne haben“, sagt Onana, der sich um die Zukunft der „Roten Teufel“ keine Sorgen macht: „In unseren Nachwuchsteams sind einige sehr talentierte Spieler, die ebenfalls in diese Rolle hineinwachsen können, wie etwa Orel Mangala, Sekou Sidibe oder Largie Ramazani.“ Andere würden hier vielleicht auch ihn, den Hoffenheimer Amadou Onana, aufzählen.

U17-EM in England | Halbfinale
Italien – Belgien
Donnerstag, 14 Uhr (MEZ), Rotherham (live auf Sport1)

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