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24.01.2018

Julian Nagelsmann: "Das Stichwort heißt Effektivität"

Vor dem Duell der TSG Hoffenheim mit dem FC Bayern München am nächsten Samstag in der Allianz Arena spricht Cheftrainer Julian Nagelsmann mit achtzehn99.de über den Start in die Rückrunde, vergangene Erfolge, eigene Ansprüche und die große Freude, die seine Arbeit bei der TSG prägt.

Am Samstag geht es für die TSG zu Rekordmeister und Tabellenführer Bayern München, aber blicken wir noch einmal zurück auf die ersten beiden Spiele der Rückrunde. Ein 1:1 in Bremen und ein 1:4 gegen Bayer Leverkusen stehen zu Buche. Wie beurteilst Du den Start ins neue Jahr?

Julian Nagelsmann: "Wir wissen, dass wir noch viel Luft nach oben haben. Denn natürlich geht der Blick auch zurück ins alte Jahr. Elf Punkte aus den vergangenen zehn Spielen, da sind wir selbstkritisch genug, um zu sagen, das geht besser. Allerdings ist festzustellen, dass die obere Hälfte der Liga ab Rang zwei auch nach 19 Spieltagen extrem eng beieinander ist. Den Tabellenzweiten trennen vom Zehnten gerade mal vier Punkte. Und wir bewegen uns in dieser Gruppe. Das heißt also, das Feld hinter dem einsamen Spitzenreiter ist breiter geworden. Zum einen, weil Mannschaften wie Augsburg, Hannover oder Frankfurt eine hervorragende Runde spielen und zudem haben die etablierten Spitzenklubs, die seit vielen Jahren mit ganz anderen finanziellen Mitteln arbeiten können, in dieser Saison wieder zu alter Stärke gefunden."

Ist also ein Erfolg wie der in der vergangenen Saison nicht zu wiederholen?

Nagelsmann: "Doch, das ist er. Aber man darf es eben nicht erwarten. Nicht von der TSG Hoffenheim mit den Mitteln, die sie zur Verfügung hat. Wir haben die Latte im vergangenen Jahr enorm hoch gelegt und nun denken viele, das sei der Maßstab. Das ist er aber nicht. In dieser Liga gibt es zwei, vielleicht drei Klubs, die vom Start weg Ansprüche stellen können. Alle anderen müssen sich jeden Erfolg hart erarbeiten und alle Register ziehen, auf allen Ebenen des Klubs. Es spricht doch für uns, dass wir uns immer am oberen Limit des Machbaren bewegt haben. Deswegen waren wir als Team und Verein außerordentlich erfolgreich. Um ganz nach oben zu kommen, müssen dann auch noch andere Parameter hinzukommen. Dieser Mix ist dann die Erfolgsformel. Wenn Du in dieser Liga nur minimal vom Optimum abweichst, hat das unmittelbar Konsequenzen. Wir spielen in dieser Saison eben nicht auf allen Ebenen ständig am Limit. Das ist eine nüchterne Bestandsaufnahme. Wir haben noch nie für irgendwelche Rückschläge Ausflüchte gesucht. Für das, was wir erreicht haben, waren wir selbst verantwortlich, für das, was wir nicht erreichen auch."

Wo siehst Du aktuell Nachholbedarf?

Nagelsmann: "Das Stichwort heißt: Effektivität. Wir arbeiten viel und hart, unser Spiel Woche für Woche auf den Platz zu bringen. Im Training zieht jeder Spieler mit, ist konzentriert und fokussiert. Aber wir belohnen uns am Wochenende nicht für diese Arbeit, jedenfalls nicht mit den nötigen Erfolgserlebnissen, sprich Toren. Die Chancenverwertung ist nicht optimal. Dennoch müssen wir sachlich bleiben und festhalten: Wir sind nach den zwei besten Jahren der Klubgeschichte auch jetzt wieder so gut unterwegs in der Liga wie kaum ein anderer Europa-Cup-Newcomer in der Historie. Dennoch ist es unser Anspruch, voller Ehrgeiz, Leidenschaft und Akribie weiterzuarbeiten. Und - da beziehe ich alle mit ein, auch unsere Fans -, wir müssen uns das Selbstvertrauen und die Ruhe bewahren. Manche suchen ständig nach Gründen, warum es derzeit nicht so gut läuft wie noch in der vergangenen Saison. In alles wird irgendetwas hineingeheimnist. Es gibt keine Geheimnisse, keine versteckten Hindernisse oder Blockaden. Es sind die Gesetzmäßigkeiten des Sports, dass Dinge, die an einem Wochenende klappen, an einem anderen misslingen. Kein Grund also, dunkle Bilder an Wände zu malen."

Julian Nagelsmann, der Optimist?

Nagelsmann: "Klar, aber große Ziele sind nicht dadurch zu erreichen, nur weil man sie formuliert. Der zu kurzfristige Blick auf die Tabelle, negative Zwischenbilanzen, oberflächliche Analysen oder gar Fatalismus – mit all dem kann ich nichts anfangen. Ich habe jeden Morgen eine Riesenlust, wenn ich hier auf das Trainingsgelände fahre. Ich versuche den Spielern seit jeher diesen Spaß an der Arbeit bei aller Ernsthaftigkeit im Training zu vermitteln. Ich freue mich jede Woche auf die Herausforderung des neuen Spieltags. Und ich bin überzeugt, dass es meinen Spielern genauso geht. Wir haben in den vergangenen beiden Jahren zusammen mit allen im Klub ganz viel erreicht. Und ganz nebenbei eine außerordentliche Transferbilanz hinbekommen und so vielen Jugendspielern zu ihrem Profidebüt verholfen wie wahrscheinlich nur wenige Klubs auf dem Kontinent. Das ist die Arbeit, für die die TSG Hoffenheim steht, von der Akademie über die U23 bis hin zu den Profis. Hier passt alles, ein Rädchen greift ins andere, und von den Innovationen, die nicht nur uns, sondern den gesamten Sport voranbringen, habe ich noch gar nicht gesprochen. Man muss immer das ganze Bild sehen. Und das immer wieder zu malen, immer wieder neue Nuancen hinzuzufügen und die Farben aufzufrischen, all das ist eine große, mit Verantwortung verbundene, spannende Herausforderung und keine Selbstverständlichkeit."

Dieser Weg führt nun am Samstag nach München?

Nagelsmann: "So ist es. Und auch auf diese Herausforderung freuen wir uns."

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