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U23
08.10.2014

Russell Canouse: Kapitän ohne Binde

Hinter Russell Canouse liegen aufregende Monate. Im Juni wurde der US-Boy mit der U19 der TSG Hoffenheim Deutscher Meister, wenige Wochen später gewann er mit der U20-Auswahl seines Heimatlandes das „NTC Invitational“ in Kalifornien – jeweils als Kapitän. Glückwünsche von Jürgen Klinsmann gab es obendrein. Jetzt, knapp zwei Monate später, ist Canouse in der U23 der TSG angekommen.

„Das war eine schwierige Situation“, erzählt der 19-Jährige, der seit April 2011 in Hoffenheim ist, von den Problemen während der Vorbereitung, als er aufgrund des Kalifornien-Trips verspätet in die U23-Vorbereitung einstieg und zudem etwas überspielt war. Daher reichte es zu Beginn nur für Kurzeinsätze, doch vor wenigen Tagen stand der defensive Mittelfeldspieler beim 1:1 in Mannheim erstmals wieder über 90 Minuten auf dem Rasen. „Ich hoffe, dass ich jetzt fit bleibe und weitere Chancen bekomme.“

Die abgelaufene Saison mit dem U19-Meistertitel als Höhepunkt wird Canouse ewig in Erinnerung bewahren. „Das war mein bisher schönstes Fußball-Erlebnis. Am Anfang der Runde hatte ich nicht gedacht, dass wir es so weit bringen, aber im Frühjahr wusste ich: Wir können es schaffen!“ Jetzt geht es für ihn darum, sich an die rauere Gangart zu gewöhnen. Regionalliga statt U19-Bundesliga, Männer statt Junioren. Das Spiel sei jetzt körperlicher geworden. „Eine, zwei Chancen reichen dem Gegner zum Tor“, sagt Canouse.

Anfang September saß der Mittelfeldspieler erneut im Flieger, diesmal in Richtung Argentinien. Die U20-Nationalmannschaft der USA bereitet sich intensiv auf die WM-Qualifikation vor, die im Januar auf Jamaika über die Bühne geht, und absolviertein Buenos Aires ein Trainingslager. „Wir waren auf dem Gelände des Erstligisten Defensa y Justicia untergebracht“, erzählt Canouse, den die Eindrücke in dieser fußballverrückten Stadt sehr begeistert haben. In den drei Testspielen stand er wiederum als Kapitän auf dem Platz, nach Siegen gegen die Reserven der Erstligisten Racing Club (2:0) und DyJ (3:2) trennten sich die „Stars and Stripes“ mit 1:1 von der argentinischen U20. Die Teilnahme an der U20-WM, die im Juni 2015 in Neuseeland ausgetragen wird, ist selbstverständlich das erklärte Ziel.

Im Moment gilt die volle Konzentration der Hoffenheimer U23 und der Stabilisierung der eigenen Leistungen. Parallel nimmt Canouse, der in Sinsheim in einer WG mit U19-Stürmer Joshua Mees lebt, gerade ein Fernstudium an der Drexel University aus seiner Heimatstadt Philadelphia auf, an der bereits sein Vater studierte. Dass er in dieser Saison als U23-Jungspund nicht mehr Kapitän ist, stört ihn nicht weiter: „Man kann auch Verantwortung übernehmen, ohne die Binde zu tragen.“ Auf Facebook kratzt Canouse an der 2.000-Freunde-Marke. Sie sind über die ganze Welt verteilt, viele sieht er nur im Heimaturlaub, der sich auf zwei Mal jährlich reduziert hat. Entwickelt sich seine Karriere wunschgemäß, wird er bald noch seltener nach Hause fliegen können. „Ich bin gerne in Deutschland“, sagt er. „Im Fußball kann in kurzer Zeit so viel passieren.“

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