Page 82 - Spielfeld_Oktober_2016
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                 MIT EMPFEHLUNG DES HAUSES
FOOD-TREND VEGANE ERNÄHRUNG
 Peter Geigle ist seit zehn Jahren Physiotherapeut bei der TSG – und zudem Experte für gesunde Ernährung. SPIELFELD hat mit ihm über das Thema veganes Essen gesprochen. Geigle ver- rät, worauf es dabei ankommt – und wie es aus gesundheitlicher Sicht zu bewerten ist.
Sich vegetarisch zu ernähren, ist schon seit Jahrzehnten kein Nischenphänomen. Im Gegenteil: Auf Fleisch und Fisch zu verzichten, ist gesellschaftliche Normalität.
Nach statistischen Angaben ernähren sich in Deutschland rund 5,5 Millionen Menschen ab 14 Jahren vegetarisch. Ein neuerer, derzeit verstärkt auf kommender Food-Trend ist, sich vegan zu ernähren. Wer sich vegan ernährt, nimmt grundsätzlich keine Produkte zu sich, die vom Tier stammen. Neben Fleisch und Fisch bedeutet dies auch den Verzicht auf Milch und Eier sowie alle anderen Produkte und Zutaten, die aus oder von Tieren gewonnen werden. Dies heißt zum Beispiel, dass ein Veganer auch keinen Honig konsumiert. In Deutschland ernähren sich nach Schätzungen des VEBU, der Interessenvertretung der Vegetarier und Veganer, rund 900.000 Menschen vegan. Täglich kämen etwa 200 Menschen dazu. Der Food-Trend vegan ist so oder so nicht von der Hand zu weisen. „Für die Entscheidung, vegan zu leben, gibt es ja zwei verschiedene Grundlagen“, erklärt TSG-Physiotherapeut und Ernährungsexperte Peter Geigle. „Zum einen gibt es eine ethisch-moralische Dimension, andererseits möchte mancher aus gesundheitlichen Gründen auf zu viel tierische Produkte verzichten.“
Ethische Gründe
Die moralische Dimension gründet neben der reinen Tötung von Tieren auch auf den Bedingungen der Massentierhaltung und den damit verbundenen negativen Auswirkungen für die Tiere – aber eben auch der Konsumenten, die dieses minder- wertige Fleisch verzehren. Dazu kommen auch die Folgen der Futtermittelproduktion etwa durch die Urwaldrodung sowohl für die Umwelt als auch die dortige Bevölkerung.
„Je bunter, je vielfältiger wir essen, umso besser ist es aus gesundheitlicher Sicht.“
PETER GEIGLE
„Wir tun uns mit übermäßigem Fleischkonsum, und dazu gehört vor allem der Konsum von minderwertigem Fleisch, definitiv keinen Gefallen“, warnt Geigle.
Aber ist veganes Essen deshalb zwangsläufig gesünder? „Auch vegan kann man sich schlecht ernähren“, sagt Geigle. „Am Ende ist nicht die Frage ‚Fleisch oder kein Fleisch‘ entschei- dend, sondern die Stufe der Verarbeitung“, so Geigle. Auch für vegane Ernährung gelte: „Je unverarbeiteter die Zutaten sind, desto gesünder, desto besser ist das Essen.“ Ein Beispiel: Die beliebten veganen Riegel. „Diese sind industriell hergestellt und entsprechend verarbeitet, oft genug mit Zucker oder anderen Zusätzen oder Aromastoffen“, so Geigle.
Längst sind vegane Lebensmittel auch zu einem (guten) Ge- schäft geworden. Der Umsatz wächst rasant, seit 2010 mit jährlichen Zuwachsraten von durchschnittlich rund 15 Prozent. Der Umsatz der Vegan-Branche beläuft sich inzwischen auf etwa 700 Millionen Euro im Jahr. Selbstverständlich handelt es sich dabei eben nicht nur um hochwertige Produkte. „In- dustriell hergestelltes Soja ist zum Beispiel eben nicht ein- fach hochwertig, nur weil es vegan ist. Und das pflanzliche Produkt, das im Supermarkt liegt, nicht zwangsläufig besser oder gesünder als ein gutes, tierisches Produkt“, erklärt Peter
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