Page 7 - Spielfeld_Oktober_2016
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                                                  Mixed Zone
  Kinder, wie die Zeit vergeht
Es gibt Dinge, die klingen wie aus einer fernen Welt: Die heutige Bundeskanzlerin Angela Mer- kel etwa gehörte einst der Pionierorganisation
Ernst Thälmann an – und hätte fortan auch gleich dem Frauenfußball frönen können. Denn in der ehe- maligen DDR war den jungen Damen das Kicken seit 1968 offiziell erlaubt. Im Westen der Republik aber galt noch das alte, traditionelle KKK-Prinzip: Kinder, Küche, Kirche. Der Frauenfußball war zu jener Zeit nicht nur verpönt, er war von Seiten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) 1955 auf einem Verbandstag of- fiziell untersagt worden. Ein entsprechender Beschluss verbot den Vereinen des DFB, Frauenabteilungen zu gründen oder Sportstätten zur Verfügung zu stellen. Die heute nur noch irrwitzig anmutende Begründung lautete unter anderem: „Im Kampf um den Ball ver- schwindet die weibliche Anmut, Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden und das Zurschaustel- len des Körpers verletzt Schicklichkeit und Anstand.“
Erst am 31. Oktober 1970, also vor nunmehr exakt 46 Jahren, hob der DFB das Verbot auf. Einer der ersten Klubs, die noch 1970 eine Frauenfußball-Abteilung gründeten, war der FC Bayern München (mit Edith Grabmaier, siehe Foto). Im übrigen war es eine späte, aber weise Einsicht des DFB: Inzwischen sind die deut- schen Fußballfrauen Olympiasieger, gewannen Welt- und Europameisterschaften – und der Frauenfußball ist in der Gesellschaft längst akzeptiert. Übrigens auch dank Klubs wie der TSG, die den Frauenfußball in besonderer Weise fördern.
HÄRRINGERS ECKE
     SPIELFELD TSG 1899 HOFFENHEIM 7
© 2016 Christoph Härringer, www.facebook.com/Spottschau



























































































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