Page 52 - Spielfeld_Oktober_2016
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                 DIE TECHNIKEN EINES TORWARTS
Das Torwartspiel ist komplex; insge- samt etwa 30 verschiedene Techni- ken sollte ein Torwart beherrschen – entsprechend intensiv werden sie auch trainiert: Angefangen von der Ballannahme mit dem Fuß, Passspiel, Abschlag, Abwurf, Fangen verschiede- ner hoher Bälle aus unterschiedlichen Richtungen, in Eins-zu-eins-Duellen die Reaktionen mit dem Fuß, der Hand, Abtauchen, Blocktechniken, Flanken abfangen und fausten, die exakte Schrittfolge beim Abwehren eines Freistoßes, die Raumverteidi- gung oder auch die Bälle ablaufen.
Die Auswertung von hochklassigen Spielen setzte Rechner bei der TSG fort. Die Torwart-Analysen von Europa- und Weltmeisterschaften, Champions League und ausgewählte Partien der europäi- schen Topligen f ließen bis heute in die Datensammlung ein. Rechner und seine Kollegen schaffen gewissermaßen Big Data für das Torhüter-Wesen.
Die Fehler, die zu Gegentoren führten, werden eingeteilt in klare Torwart-Fehler, mit Beteiligung des Torwarts und ohne Beteiligung des Torwarts. Dabei gibt es technische Fehler, zum Beispiel, wenn beim Fangen der Ball fallen gelassen wird oder taktische Fehler durch falsches Stellungsspiel. Mit den Auswertungen können die Leistungen der Torhüter objektiviert werden. „Auf dem Topni- veau hat ein Torwart eine Fehlerquote von fünf bis zehn Prozent, bezogen auf seine eigenen Aktionen. Wenn zum Bei- spiel Manuel Neuer in 50 Pf lichtspielen 50 Gegentore bekommt, gehen davon drei bis vier auf seine Fehler zurück. Fünf, sechs Prozent Fehlerquote sind ein Topwert. Zehn Prozent sind noch okay, aber alles darüber hinaus ist zu viel für den Profifußball“, sagt Rechner.
„Im Spitzenbereich sind es sehr selten technische Fehler, meist sind es Ent- scheidungsfehler, dass ein Torwart die taktisch falsche Entscheidung trifft, aus dem Tor herausläuft, wenn er eigentlich drin bleiben muss oder umgekehrt.“
Viele Hilfsmittel im Training
Um der Perfektion näher zu kommen, wird hart trainiert. Das Torwart-Trai- ning ist körperlich anstrengender und anspruchsvoller als das der Feldspieler, wenn auch kürzere Laufstrecken zu- rückgelegt werden. „Was der Torwart im Spiel braucht, müssen wir in jede einzelne Trainingseinheit, in eine ganze Trainingswoche und in die Saisonvor- bereitung bringen“, sagt Rechner. Viele Übungen für jede der verschiedenen Techniken wurden niedergeschrieben – für alle Altersbereiche von der U12 bis zu den Profis. „Wir trainieren das alles möglichst spielnah“, sagt Rechner. „Ich nehme gern Hilfsmittel dazu. Die wirken für Außenstehende manchmal spektakulär, aber alle haben nur den Zweck, die Torhüter zu verbessern.“ Baumann, Stolz und Kobel finden es super. Wenn sie, festgehalten durch ein
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  In Topform: Oliver Baumann


























































































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