Page 51 - Spielfeld_Oktober_2016
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                  Sein Studium der Sportwissenschaft an der Universität Heidelberg schloss er mit der Magisterarbeit „Das An- forderungsprofil und die moderne Trainingsmethodik des Fußballtorwarts“ ab.
Rechner hat eine Torwart-Software entwickelt
Mit gerade einmal 28 Jahren wurde Michael Rechner vom damaligen Sportdirektor Bernhard Peters bei der TSG angestellt. Eine kluge Entscheidung. Inzwischen gilt der 36-Jährige als absoluter Vordenker. Seine von ihm mit zwei Partnern entwickelte Software „Goalkeeping Development“ zur Kontrolle und Steuerung der Torhü- ter-Ausbildung wird längst von vielen Kollegen genutzt.
Für die Öffentlichkeit von größtem Interesse ist aber natürlich seine Arbeit mit den Hoffenheimer Profis. „Oli Baumann ist unsere Nummer 1. Er gehört sicher zu den stärksten Torhütern der Liga, ein Vollprofi mit einer top Einstellung“, sagt Rechner. Dass Baumann zu Beginn der Saison 2014/15 vom SC Freiburg geholt wurde, bestärkt den Torwart-Trainer. Dank eines von ihm entwickelten Leistungsprofils ließ sich belegen,
die Leute ja zum Fußball, um Tore zu sehen, um ein Spektakel zu erleben, aber dann steht da einer im Kasten, der das unbedingt verhindern will“, beschreibt Rechner das Dilemma. Dazu hat der Schlussmann, wie man ihn früher noch oft bezeichnete, viel weniger Aktionen als die meisten Feldspieler. „Wenn etwas schiefgeht, wird es meist direkt bestraft. Ich glaube, dass die psychische, mentale Belastung für den Torwart am höchsten ist. Man hat diesen Druck, keine Fehler machen zu dürfen.“ Jedes Gegentor sei für einen Torwart „psychisch etwas Schlimmes“.
Viele Hospitationen bei guten Torwart-Trainern
Als Michael Rechner vor acht Jahren als Keeper-Coach anfing, konnte er nicht auf ein umfangreiches Know-how zurückgreifen. Fußball entwickelt sich erst seit kurzem – im Vergleich zu anderen Sportarten sehr spät – als sportwissenschaftliches Element. Und für den Spezialbe- reich Torwart gab es außer allgemeinen Trainingstipps keine anspruchsvollen trainingswissenschaftlichen Grundlagen. Also begann Rechner damit, bei anderen
dass Baumann damals schon zum
oberen Drittel der Bundesliga-Tor-
hüter gehörte. „Hinter ihm steht
mit Alex Stolz ein hervorragender
Torwart, der ein klasse Typ mit
einem tollen Charakter und einer
fantastischen Einstellung zum Trai-
ning ist. Wenn wir zwei Einheiten
am Tag haben und bei der zweiten herrschen 36 Grad, dann puscht Alex immer noch. Von so einem starken Konkurrenten kann auch Oli Baumann profitieren.“ Als jüngster, mit nur 18 Jahren, wurde Gregor Kobel von der U19 zu Saisonbeginn in den Profikader befördert. „Ein Riesentalent, das ein großartige Entwicklung vor sich hat“, sagt Rechner. Ebenfalls zum Team zählt Rechner Marvin Schwäbe, der 2014 mit der U19 der TSG Deut- scher Meister wurde und nun auf Leihbasis bei Dynamo Dresden zwischen den Zweitliga-Pfosten steht. „Dort holt er sich Spielpraxis auf hohem Niveau und ist dabei, zum Stammkeeper der U21 des DFB zu werden“, sagt Rech- ner anerkennend. Und auch im Nachwuchs ist die TSG ausgezeichnet aufgestellt. Aktuell gehören dem Verein in der Akademie und in der U23 fünf Torhüter an, die in Juniorennationalteams spielen oder diesen angehörten.
Man mag darüber streiten können, ob der Torwart die wichtigste Position im Fußball ist. Rechner würde das nicht behaupten, weil schließlich Spieler, die die Tore schießen, ebenso wichtig sind. „Ein Torwart entscheidet sicher am ehesten über Sieg und Niederlage. Und er nimmt eine spezielle Position ein, die sich von allen Feldspielern extrem unterscheidet. Torwart ist aus meiner Sicht die schwierigste Position“, betont Rechner. Schwierig deshalb, weil die Torhüter, wenn sie herausragend gut sind, oft in die Rolle des „Spielverderbers“ rücken. „Eigentlich gehen
„Ich glaube, dass die psychische Belastung für den Torwart am höchsten ist.“ MICHAEL RECHNER
Torwart-Trainer wie Rüdiger Vollborn in Leverkusen, Eberhard Trautner in Stuttgart und Patrick Foletti bei der Schweizer Nationalmannschaft zu hospitieren und eine Struktur für ein optimales Torwart-Training zu entwickeln. Es beruht auf vier Säulen: Technik, Taktik, Athletik und Psyche. Rechner entwickelte
ein Anforderungsprofil für Torhüter. Dafür nahm er eine umfangreiche Analyse aller Spiele der EM 2008 vor. „Ich habe einfach begonnen, die verschiedenen Aktionen, die Torhüter hatten, zu definieren. Schließlich hatte ich eine Liste von etwa 30 Definitionen. Das sind die Aktionen, die ein Torwart beherrschen muss.“
DAS TTT
Michael Rechner ist ein echter Teamplayer. Zum TTT, dem Torwart-Trainer-Team, gehören bei der TSG noch fünf weitere Spezialtrainer sowie ein Scout. Dies sind die beiden hauptamtlich angestellten Steffen Krebs (U23) und Dennis Neudahm (U17/ U16) sowie die Honorartrainer Dominik Weber (U19), Marjan Petkovic (U15/U14) und Julian Kühn (U13/ U12 und KPT) plus Torwart-Scout Karsten Lange, der von Paderborn aus viele Sichtungen vornimmt. „Ich habe ein unglaublich engagiertes und kollegiales Team“, sagt Rechner. „Das Torwart-Trainer-Team in der Akademie macht einen super Job. Wir sind exzellent aufgestellt.“
Verein
 SPIELFELD TSG 1899 HOFFENHEIM
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