Page 76 - Spielfeld 04 2020
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 Er qualifizierte sich für die Challenge Tour, doch 2013 dann folgte ohne Vorwarnung der Karrierebruch: Eine schmerz- hafte Schambeinentzündung zwang ihn zu einer langen Pause. „Ich habe keine Ahnung, wie es passiert ist.“ Es gab verschiedene Behandlungsoptionen, John entschied sich für den konventionellen Weg: „Entweder der Körper heilt oder eben nicht.“ Eineinhalb Jahre konnte er keinen Sport mehr machen, wusste nicht, ob er je wieder auf einem Golfplatz stehen würde. In der Zeit absolvierte er beim Golf Club St. Leon-Rot eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann und schloss als Landesbester ab. John gab seinen Profistatus auf und ließ sich in einem fast zweijährigen Prozess reamateurisieren.
Statt zu spielen, arbeitete er in St. Leon-Rot als Athletik- trainer, hauptsächlich für die Jugend. „Wir haben hier für Jugendliche aller Altersklassen ein sehr breites An- gebot. Generell bietet der Golf Club dank Dietmar Hopp deutschlandweit einzigartige Verhältnisse.“ 2015 fasste er Mut und Schläger, begann langsam wieder zu trainieren. Ein Jahr später nahm er an
der Gehörlosen-WM in Kopenhagen teil und gewann
Gold. „Der Titel inspirierte mich, meinen Traum wieder mit voller Energie zu verfolgen.“ Mit Erfolg: Er holte 2017 Gold bei den Deaflympics in der Türkei. „Das war echt emotional. Es ist einfach ein Wahnsinnsgefühl, wenn du die Medaille umgehängt bekommst und die Nationalhymne gespielt wird.“ Dieses Gefühl sei für jeden Athleten gleich – ob Olympia, Paralympics oder eben Deaflympics.
Trotz seines Ehrgeizes stand für ihn bei der Teilnahme an der Gehörlosen-WM und den Deaflympics eigentlich etwas anderes im Vordergrund. „Ich wollte mit meinem Bekannt- heitsgrad etwas Aufmerksamkeit für den Gehörlosen-Sport generieren, das Spotlight etwas verschieben. Den Sport- lern fehlt Fördergeld, sie bekommen zu wenig Unterstüt- zung“, kritisiert John. Mittlerweile habe sich die Situation etwas verbessert, doch: „Wenn ich sehe, wie paralympische Sportler in Deutschland gepusht werden – auch in den Medien – finde ich es schon schade, dass andere behin- derte Sportler oft aufs Abstellgleis geschoben werden.“ John ist es enorm wichtig, anderen Behinderten zu zeigen, was trotz aller Hindernisse möglich ist. „Ich kann nur jeden Einzelnen ermutigen: Lasst euch nicht unterkriegen!
Du kannst es dir nicht aussuchen, aber das Beste daraus machen.“
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