Page 63 - Spielfeld 04 2020
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SPIELFELD TSG HOFFENHEIM
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Franko Kovačević liebt Tore. Und den Jubel dar- über. Der 20-Jährige ist Angreifer aus Leiden- schaft, dribbelstark und schussgewaltig. Eine
gute Kombination für einen Offensivspieler, der die Momente, in denen sich sein Talent in Tore verwandelt, gern teilt: Im Jubel mit seinen Teamkollegen – und auf seinem Instagram-Account: Hier veröffentlicht der Kroate, der im August vom kroatischen Erstligisten NK Rudeš zu Hoffenheims zweiter Mannschaft wechselte, gern Videoaufnahmen der
Auf diese Entwicklung hatte Kovačević gesetzt, als er sich im Sommer für einen Wechsel aus der ersten kroatischen Liga in die vierthöchste Spiel- klasse Deutschlands entschied. Das „unglaubliche“ Trainingsgelände, die Vielzahl an Spezialisten sowie der auch in Kroatien hervorragende Ruf der TSG als Talentschmiede sorgten dafür, dass er den Status als kroatischer Profi gegen den eines Fußball-Azu- bis in Deutschland tauschte. „Natürlich war das
 Treffer. Es ist schon eine beachtliche Zahl an Toren zusammengekommen, das größte Kunstwerk aber wur- de am 26. Oktober hochge- laden (Link zum Tor unten): Kovačević dringt am linken Eck in den Strafraum ein, düpiert einen Gegenspieler per Hackentrick, dribbelt sich wie auf einem Slalom- Parcours durch zwei Vertei- diger hindurch und vollen- det stilecht ins lange Eck. Ein Traumtor, das offen- bart, welche Qualitäten in Kovačević schlummern. Und ebenfalls, in welchem Dilemma der Kroate steckt.
Liga-Niveau vorher höher, es gleicht eher der zweiten Liga in Deutschland. Ich habe somit vielleicht einen Schritt zurück gemacht, aber es ist für mich ein sinnvoller, wichtiger Step. Ich brauche dieses Jahr, um den Fußball hier zu verstehen und neue Dinge zu lernen. Ich habe mit 17 das erste Mal in der kroatischen Liga gespielt, da war ich noch nicht be- reit. In der U23 will ich mich auf die Bundesliga vorbereiten, das ist mein Ziel und dafür arbeite ich hart.“
Der Bundesliga ganz nah war Kovačević bereits vor vier Jahren. Im Alter von 16 Jahren erhielt er eine Einladung aus Deutsch- land – und zwar aus be- rufenem Mund: Der FC Bayern München und der
damalige Trainer Carlo Ancelotti luden ihn zum Probetraining ein. Kovačević folgte der Offerte – und spielte plötzlich eine Woche lang gegen und mit Stars wie Thomas Müller, Franck Ribéry und Manuel Neuer, den er im Trainingsspiel überwand. „Gegen ihn ein Tor zu erzielen, war natürlich ein besonderer Moment. Es war unbeschreiblich, was ich dort in diesem Alter erleben durfte“, erinnert er sich. Die Woche verlief gut – doch das Abenteuer Deutschland kam damals noch zu früh für den Teenager. „Ich war noch nicht bereit dazu. Fußbal- lerisch nicht, aber mich haben damals auch einige
persönliche Dinge sehr beschäftigt. So nahm ich lieber die Chance wahr, in Kroatien
erste Liga zu spielen.“
 Denn Glanzleistungen wie
beim Tor gegen Koblenz
gelingen nicht immer –
manche Aktionen enden in
vermeidbaren Ballverlus-
ten. Den gelernten Antrieb,
auf sein Talent zu vertrauen
und das Unmögliche zu versuchen, muss er bei der TSG unterdrücken – obwohl ihn Tore wie jenes am 26. Oktober darin bestätigen. Umso mehr überrascht die Klarheit der Selbstanalyse: „Ich muss lernen, ein besserer Teamspieler zu werden, wann ich abspielen muss. Ich darf es nicht immer allein versuchen“, sagt Kovačević. Es fällt ihm schwer, aber er ist dankbar für Kritik und Ratschläge, die er bei der TSG von U23- Trainer Marco Wildersinn und dessen Team erhält: „Viele Dinge, von denen ich früher nicht wusste, dass ich sie falsch mache, lerne ich hier täglich. Hoffenheim ist eine große Chance für mich. Der Stab arbeitet sehr viel mit mir. Dadurch habe ich mich seit meiner Ankunft in Hoffenheim als Spieler und Persönlichkeit
„Toreschießen macht glücklich“:
Franko Kovačević trifft regelmäßig für die U23 der TSG.
 sehr entwickelt.“
     Das Zaubertor im Video:
     











































































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