Page 14 - Spielfeld 04 2020
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Große Pause
Der internationale Sport kommt durch das Corona-Virus zum Erliegen. Die nationalen Ligen stehen vor dem Abbruch, auch die Olympischen Sommerspiele von Tokio wurden verschoben.
Am Tag der überfälligen und von nahezu allen Seiten herbeigesehnten Absage wurde noch ein wenig mit dem verbalen Weihrauchfass geschwenkt: Olympia in Tokio möge als „Leuchtfeuer der Hoffnung für die Welt stehen und die olympische Flamme zum Licht am Ende des Tunnels werden, in dem sich die Welt derzeit befindet“, erklärten IOC-Präsident Thomas Bach und der japanische Premierminister Shinzo Abe voller Pathos. Die Olympi- schen Sommerspiele, die vom 24. Juli bis zum 9. August 2020 in der japanischen Hauptstadt ausgetragen werden sollten, wurden verschoben – spätestens im Sommer 2021 sollen dann nach Plan die olympischen Athleten im Schein des Feuers im Olympiastadion von Tokio die Wettkämpfe aufnehmen.
Mit der Absage vom 24. März trug das IOC einer Massenflucht Rechnung, die olympische Idee drohte zu pervertieren. Erste Länder wie Kanada und Australien kündigten bereits einen Boykott der Sommerspiele an, wenn diese tatsächlich im Sommer 2020 ausgetragen werden sollten. Auch die Athleten als Herzstück der Veranstaltung, ohnehin schwer getroffen durch die Corona-Virus-Pandemie, die ihnen das Training erschwerte und Qualifikationswettbewerbe unmöglich machte, hatten sich für eine schnelle Entscheidung (pro Verschie- bung) ausgesprochen. Der deutsche Athletensprecher Max Hartung hatte nur drei Tage vor der Absage öffentlich seinen Verzicht auf Olympia ausgesprochen, sollte das IOC um den deutschen Präsidenten Thomas Bach die Sommerspiele am ursprünglichen Termin durchziehen wollen. Der Säbelfechter Hartung, ein Kandidat für die Goldmedaille, führte damit die schärfste Klinge gegen Bach, den Olympiasieger von 1976. Der Florettfechter konnte keine Parade Riposte mehr set-
zen – die Olympischen Spiele im Jahr 2020 sind Geschichte, die olympische Idee des großen Sportfestes der Jugend der Welt aber bekommt sprichwörtlich neue Luft zum Atmen. Paradox: Das Nachholspiel im kommenden Jahr soll weiter unter dem Titel „Olympia 2020“ laufen. Viele Probleme sind zu lösen: Darf zum Beispiel das deutsche U21-Fußballteam noch die gleichen Spieler wie für 2020 aufbieten oder bleibt die Altersgrenze bestehen?
Die Verschiebung war der Endpunkt einer Entwicklung, in dem die ganze Sportwelt aufhörte, sich weiter zu drehen. In Deutschland etwa hatte die Deutsche Eishockey Liga (DEL) mit dem Verzicht auf die Austragung der Playoffs und damit der Meisterschaft schnell die Richtung vorgege- ben. Zwei Tage später waren Kernsportarten wie Handball und Basketball dem Beispiel gefolgt – und setzten ihren Liga-Betrieb aus. Zusätzlich erschütterten eine Reihe von positiv auf Corona getestete Sportler die Handball-Welt – bei den Rhein-Neckar Löwen wurden die Spieler Mads Mensah Laren, Patrick Groetzki, Jannik Kohlbacher und auch Trainer Martin Schwalb mit dem Virus infiziert. Ob die Handball-Bundesliga die Saison noch regulär mit den finanziell überlebenswichtigen Zuschauer-Einnahmen zu Ende spielen kann? Zweifel sind angebracht.
Längst hat das Corona-Virus den internationalen Sportkalen- der auf den Kopf gestellt, weltweite Großereignisse wie der Rad-Klassiker Giro d’Italia, dir Formel-1-Saison, die French Open im Tennis oder das US Masters der Golf-Elite werden nicht wie geplant ausgetragen. Die Folgen der Pandemie, so viel steht bereits nach wenigen Wochen fest, werden den Sport auf lange Zeit hinaus verändern.
EINSTELLUNG DER SPORTARTEN IN DEUTSCHLAND
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KAMPF GEGEN CORONA



















































































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